— 3 —
Die Unterabteilungen sind im weiteren Verlauf für die ver¬
schiedenen Staaten nicht gleich. Nur im Anfang decken sie sich.
I. ßauptperiobe: 575—J095.
I. Periode: 375—481 (568) Völkerwanderung.
Die Völkerwanderung im engeren Sinne reicht für den
Westen vom Einbruch der Hunnen (375) bis zum Regierungs¬
autritt Chlodovechs (481) oder bis zur Stiftung des letzten
germanischen Reiches (568), nämlich des langobardischen. Die
Nachwehen reichen bis ins 10. Jahrhundert (Normannen-Vikinger-
fahrten). — Ein wenig durchsichtiger Teil derselben ist das Vor¬
dringen der Slaven bis an -— zum Teil sogar über — die
Elbe — s. it. S. 9.
Dem westlichen Flügel der Völkerwanderung entspricht ein
östlicher.
Östlicher Flügel der Völkerwanderung.
Quellen: Byzantinische Berichte. Manches ist durch Rückschluß aus
der Folgezeit zu schließen.
Auch die sarmatische Steppe zeigt in erhöhtem Grade Völkerbewe-
gungen: Wie das Vorrücken der Hunnen am Anfang (unb zum Abschluß
der Wanderuugszeit die aus ihnen [und Finnen] hervorgegangenen Ma¬
gyaren oder Unge[a]rn), so dasjenige der Bulgaren — erst später slavi-
siert, ursprünglich Turauier — seit 680 zwischen unterer Donau und
Hämus ansässig; desgleichen Petschenegen im westlichen Teil von Süd-
rußland — den Türken verwandt. — Die Avaren aus dem Innern der
sarmatischen Steppe gegen die Theiß aufgebrochen, im Bund mit den Lango¬
barden (s. u. S. 11) siegreich über die Gepiden und — nach dem Abzug
jener — Herren des mittleren Donaugebietes (Grenze Enns), bis Karl der
Große (s. u.) sie überwältigt 797(99). Endlich die Chazarcn, die bis gegen
den Anfang der Kreuzzüge nördlich vom Kaukasus und westwärts zur Krim
ein Reich bildeten (NB. mit jüdischer Religion? Ihre Nachkommen vielleicht
die heutigen „Juden" der Krim).
Die später seit 632 ein Weltreich gründenden Araber eröffnen eine
zweite Reihe der östlichen Völkerbewegung, an welcher Türken, Chowares-
mier u. a. sich beteiligen. 1
Die Periodeneinteilung für diesen Bereich deckt sich nicht völlig
mit derjenigen für den Westen und zwar besonders deswegen, weil derselbe
keine Epoche zwischen Mittelalter und Neuzeit besitzt. Geht die erste Haupt¬
periode (Entwickelung zur Blüte) früher zu Ende (750), so reicht die zweite
(Blüte, wenn auch in kulturhistorisch engerem Begriff) über das (westliche)
Mittelalter hinaus (bis 1683 — letzter Angriff des Westens durch die
Türken). Der Verfall und die Neuzeit des Orients decken sich.)
Westlicher Flügel der Völkerwanderung.
Quellen: Außer denjenigen, welche die römischen Kaiser betreffen
1*