)ie zweite französ. Republik 1848—1852. Napoleon III. 129
in die Forderungen Österreichs zu willigen. Es verstand
sich zur Aushebung der Union, zur Anerkennung des Bundestages
und der Lage in Schleswig-Holstein.
Somit war der deutsche Bund wiederhergestellt und lenkte
auch sofort in die früheren Bahnen ein, indem er die vom Frank¬
furter Nationalparlament beschlossenen „Grundrechte des deutschen
Volkes" 1851 förmlich aufhob. Aber die Sehnsucht der
Nation nach einem politischen Verband, der freiheitlich _ttach jnuen
und stark nach außen sein sollte, blieb bestehen und äußerte sich in
Sänger-, Turner- und Schützengesellschasten, die sich
über ganz Deutschland ausbreiteten. Der Gesandte, mit dem
Preußen den wiedererrichteten Bundestag beschickte, war Otto
von Bismarck-Schönhausen, der zu Frankfurt aus einem
Freund Österreichs ein Gegner desselben wurde.
Die zweite französische Republik 1848—1852. Napoleon III.
In der zweiten Republik, die der „Bourgeoisie" nicht
erwünscht gekommen war, übte zunächst der sogenannte vierte
Stand, die Arbeiterbevölkernng der Hanptstadt einen großen
Einfluß auf die Politik. Um die vielen feiernden Arbeiter in Paris
zu beschäftigen, wurden sog. Nationalwerk st ätten errichtet, zu
denen sich bald 100 000 erwerblose Lente drängten. Da man aber
für diese nicht Arbeit genug hatte, ließ man sie zwecklose Erdwerke
aussühren und wieder abtragen, sah sich jedoch bald genötigt, die
Nationalwerk st ätten zu schließen. Dies ries die gefürchtete
Mafsenerhebung des vierten Standes hervor, die indes durch den
General Cavaignac niedergeschlagen wurde. In die kon¬
stituierende Nationalversammlung wurde damals auch Louis Napoleon
Bonaparte/) der Sohn des einstigen Königs von Holland,
gewählt, der im Dezember 1848 sogar zum Präsidenten der Republik
emporstieg. Als die gesetzgebende Nationalversammlung
aus Furcht vor der Macht des vierten Standes das allgemeine
Wahlrecht, das 1848 eingeführt worden war, schon 1850 ab¬
schaffte, und sich dadurch beim ganzen Volke unbeliebt machte, tat
*) Louis Napoleon Bo u aparte hatte nach dem Sturze seines Oheims
Napoleon I. mit seiner Mutter in Genf, dann in An gsbnrg Aufenthalt ge¬
nommen, war 1830 in die Bestrebungen der Carbonari eingeweiht worden,
eines Geheimbundes, der seinem Vaterlande Italien nationale Selbständigkeit
und konstitutionelle Freiheit verschaffen wollte, und hatte sich (1830) an einer
mißglückten Erhebung in der Romagna beteiligt, worauf er (wie vorübergehend
schon früher) auf dem Schlosse Arenenberg im Thurgau lebte. 1836 und 1840
machte er zwei abenteuerliche Versuche, sich zum Kaiser in F r a n k -
reich auszuwerfen, deren letzten er mit Gefängnishaft büßte. Daraus ent¬
kommen, begab er sich nach England, kam aber nach dem Sturze Ludwig
Philipps wieder nach Frankreich, wo er mit kluger Berechnung republikanische
Grundsätze zur Schau trug.
Stöckel-Ullrich, Neuzeit. 9
Olmützer Ver¬
trag 1850.
Wieder¬
herstellung
des deutschen
Bundes 1850.
Vereine mit
nationaler
Bestrebung.
Bismarck.
Bourgeoisie
und vierter
Stand.
Nationalwerk¬
stätten.
Arbeiterauf¬
stand 1848.
Louis
Napoleon.
Zensus 1850.