Full text: Senckpiehl's Schul-Atlas für den Unterricht in der Geschichte

Stanleys Zug zu Emin Pascha. 217 
Persisch, Türkisch und später lernte er noch die Sprachen von verschiedenen 
afrikanischen Negerstämmen kennen. Nachdem er als Militärarzt in 
türkischen Diensten eine Expedition nach Syrien und Arabien begleitet 
hatte, schloß er sich 1871 dem Gouverneur Ismail Pascha an, dem er 
trotz dessen Mißgeschick treu blieb bis zum Tode, wodurch er sich wahr- 
scheinlich den Namen „der Getreue" verdiente. Durch den beständigen 
Aufenthalt im Orient war er schließlich nicht mehr von einem echten 
Morgenländer zu unterscheiden. 
Im Jahre 1876 folgte er dem General Gordon als „Emin Efendi" 
nach dem Süden als dessen Oberarzt, machte mit diesem die Expedition 
nach dem Viktoriasee, erforschte Somerset, fuhr 1877 wieder den Nil auf- 
wärts bis Magungo am Mwutausee und zog über Masindi nach Mruli 
und zwischen dem Kasnrfluß und dem Ibrahim Pafcha-See durch Uuyoro 
bis zu König Mtesas Regierungssitz in der Nähe des Viktoriasees. 
Als Emin zum Bei befördert war, wurde er im Jahre 1878 zum 
Gouverneur der Äquatorialprovinzen ernannt. Als solcher war er uner- 
müdlich thätig. Er machte Reisen nach dem fremden westlichen Ufer des 
Mwutan, bereiste das Makraland und fügte die Gebiete von Amadi uud 
Röhl, ganz Monbuttu und einen Teil der Niam-Niam-Gebiete seinen 
Ländern zu, die er mit rastlosem Eifer organisierte. 
Ununterbrochen thätig, die ihn begrenzenden Nachbarländer kennen zu 
lernen und deren Tier- und Pflanzenwelt zu erforschen, setzte der Aufstand 
des Mahdi und die Vernichtung der ägyptischen Herrschaft im Sudan 
seinen Studien ein Ziel und gefährdete seine Lage auf das äußerste. 
Um ihn daraus zu befreien, wurde eine Expedition unter der Lei- 
tung Fischers, des Erforschers der Massailänder, zu ihm geschickt, die aber 
nicht bis zu Emin gelangte, da der König von Uganda ihm die Erlaubnis 
zum Durchzug verweigerte, worauf Fischer wieder nach der Küste zurück- 
kehrte. 
Nun rüstete England eine Expedition unter Leitung des vielbewährten 
Stanley aus. Im Jahre 1887 zog dieser mit 9 Europäern, 61 Sudanesen, 
13 Somal und 620 Sansibariten den Kongo aufwärts in der Meinung, 
diese Linie sei die vorteilhaftere. Vorher hatte er mit dem berüchtigten 
arabischen Händler Tippu Tib einen Vertrag abgeschlossen, nach welchem 
ihm dieser am Kongo noch 600 Manjematräger liefern sollte, den dieser 
jedoch nur zum Teil hielt. 
Von Stanleys europäischen Begleitern sind besonders Leutnant Stairs, 
der Arzt Dr. Parke, Kapitän Nelson, Major Barttelot und Monnteney 
Jephson zu erwähnen. 
Die sehr gut ausgerüstete Truppe führte unter anderm ein zerleg- 
bares Boot und eine Maximschnellfeuerkanone mit, welche in der Minute 
330 Schüsse abgeben konnte.
	        
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