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Georg Bahr). Als der Apotheker Böttger bei seinen Versuchen, Gold zu machen,
das Porzellan erfunden hatte, ließ August der Starke in der Albrechtsburg tu
Meißen die erste Porzellanfabrik aulegen (Meißner Porzellan). Er ordnete
Volkszählungen und eine Landesvermessung an. An letztere erinnern noch heute
die alten Postsäulen. — Zu seiner Zeit fanden nach einer großen Hungersnot
die Kartoffeln im Lande Verbreitung. Im Jahre 1722 gründete der fromme
Graf Zinzendorf Herrnhut und die Herrnhuter Brüdergemeinde.
3. Friedrich August II. (1733—63), Augusts' des Starken Sohn und Nach¬
folger, gelangte durch große Geldopfer auch in den Besitz der Krone Polens.
Er' kümmerte sich in Sachsen wenig um die Regierung, sondern überließ sie
ganz seinem Günstlinge, dem gewissenlosen Grafen Brühl, der durch maßlose
Verschwendung Sachsen an den Rand des Abgrunds brachte, sich selbst ctbu
zum reichen Manne machte. In Sachsen herrschte die größte Mißwirtschaft, die
schreiendste Ungerechtigkeit. Unschuldige wurden eingekerkert, Unmündige ihres
Erbteils beraubt. Aber weder Klagen noch Bitten erreichten das Ohr des
Herrschers, den Brühl vollständig umgarnt hatte. Durch Brühl wurde Sachsen
in die Schlesischen Kriege verwickelt, von denen besonders der Siebenjährige
Krieg wieder unsägliches Elend über das Land brachte.
Friedrich August II. ließ in Dresden die. prächtige katholische Hofkirche er¬
bauen, auch erweiterte er die Gemäldegalerie durch Ankauf wertvoller Gemälde,
z. B. der weltberühmten Sixtinischen Madonna von Raffael. Unter ihm wurde
Dresden zur Kunststadt, Leipzig zum Mittelpunkt der Musik, Literatur und
Wissenschaft. In Leipzig lebten damals der Komponist Johann Sebastian Bach
und der Dichter Christian Fürchtegott Geliert.
XL Begründung der 6rot$machf[telIung Preußens. #
u Friedrich ÖClÜbdm I. (1713—1740)»
Friedrich Wilhelm I. war der Sohn Friedrichs I., des ersten preußischen
Königs. An seinem Hofe herrschte die größte Einfachheit und Sparsamkeit.
Bald waren die Schulden, in die sein prachtliebender Vater das Land gestürzt
Hatte, getilgt. Der König war von früh bis spät unausgesetzt tätig.. Einen solchen
Fleiß verlangte er auch von allen seinen Beamten, und er sah mit eiserner
Strenge auf ernsteste Pflichterfüllung Seine eifrigste Fürsorge wandte er dem
Heere zu. Eine besondere Vorliebe zeigte er für die „langen Kerle". Sein Leib¬
regiment in Potsdam bestand aus lauter Riesen. Exerziermeister war der „alte
Dessauer" (Fürst Leopold von Anhalt-Dessau). Aber auch für die Volkswohlfahrt
Hat er Großes getan. Seine einzige Erholung suchte er im „Tabakskollegium",
einem zwanglosen Beisammensein mit seinen Generalen und höchsten Beamten,
wobei es oft sehr Heiter Herging. Als er starb, Hinterließ er seinem Sohne Fried¬
rich II. ein schlagfertiges Heer, eine gefüllte Kasse und ein glückliches Volk.
2. Friedrich der Große (1740—1786).
1 Friedrichs Jugend. Friedrich Wilhelm I. ließ seinem Sohn Friedrich
eine streng militärische Ezriehung zuteil werden. Ihre Härte und ihr Zwang
weckten den Widerwillen des hochbegabten Knaben. Seine Neigung zu Musik,