im 16. und 17. Jahrhundert. 145
vinisten" rc. In derselben Predigt werden dann noch lateinische Verse aus
Ovids Metamorphosen angeführt.
Lateinische, griechische und hebräische Citate finden sich in den Predigten
jener Zeit überhaupt sehr häufig, und zuweilen beurteilte man die Trefflich¬
keit eines Predigers nach der Menge solcher Citate, sogar auf Dörfern.
Die Bauern zu Klettwitz in Sachsen beschwerten sich über ihren Pfarrer,
daß er nicht gelehrt genug predige, weil er keine lateinischen Sprüche in
seinen Predigten hätte. Umgekehrt baten die Bauern zu Langula bei Tref¬
furt, als 1587 ihr alter Pfarrer, der alles abgelesen hatte, gestorben war,
man möchte ihnen wieder einen solchen geben, denn wenn einer seine Pre¬
digten so aus dem Kopfe hersagte, so wüßten sie viel, ob es wahr wäre
oder nicht.
Der Pfarrer Striegnitz in Meißen predigte über den Propheten Jonas
mit dem Thema: 1. Wer dieser Jonas gewesen und woher er den Namen
gehabt. 2. Wem er angehört und was er für einen Vater gehabt hat.
Beim ersten Teile wird untersucht: a) die alte Opinion von Jonas, b) was
sein Name bedeute und c) wie er diesen Namen mit Recht geführt habe.
Da werden denn eine Menge männliche uni) weibliche Namen angeführt
und ihre Bedeutung erklärt, z. B. Abraham, Isaak, Moses, Gottfried,
Ulrich, Katharina, Maria, Agnes, und immer die Ermahnung hinzugefügt,
daß man auch nach diesem Namen leben solle. Daran schließt sich eine
Erzählung vom Papst Marcello, und schließlich werden lateinische Verse und
Redensarten wie Kraut und Rüben unter einander gemengt. Beim zweiten
Teile wird ausgeführt, daß man bie Namen der Voreltern weder verändern
noch ablegen soll; ber Beweis wirb von Cicero, Josephus u. a. hergenom¬
men, bann nach Zugabe mehrerer Historien folgt kurz uub rmtb ber Schluß:
„Genug auf biesmal! Ihr habt gehört, 1) wer Jonas gewesen, 2) wem
er angehört. Gott helfe, baß wir's behalten unb selig brauchen mögen.
Amen."
Auch allerlei Zeitereignisse unb Stabtgeschichteu faubeu Eingang in bie
Prebigteu, sogar bas, was sich auf bie eigene Person bes Prebigers bezog.
Ein braunschweigischer Prebiger begann 1019 seine Prebigt mit ben Worten:
„Drei Dinge muß ein Prebiger haben: ein gutes Gewissen, einen guten Bissen
unb ein gutes Kissen", unb bann ging er Über auf bie Verbesserung seines
Gehalts. Das gleiche Thema kehrte in ben Prebigteu ziemlich oft wieber, unb
Herzog Gustav Aböls von Mecklenburg erließ ein besondres Manbat gegen bie
„Salarienquerelen" ber Geistlichen auf ber Kanzel. Wie es mit ber Grob¬
heit auf ber Kanzel gestanben, ersieht man, wenn noch 1721 bas Berliner
Konsistorium zu ber Verfügung veranlaßt wirb, baß auf ber Kanzel nicht
Scheltworte, wie „Ochsen, grobe Esel, Flegel" u. bergt, gebraucht werben
sollen.
Daneben würbe ben Gemeinben schon vom Ansang bes 17. Jahrhun-
berts an auch mancherlei Geziertes geboten, z. B. von Valerius Herberger,
ber 1611 in einer Prebigt bas Thema behanbelt: Geistlicher kräftiger Rosen-
Richler, Bilder a. d. dtsch. Kulturgesch. II. lg