Hebel. von Salis-Seewis. Stöber.
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165. Herbstlied.
Von Johann Gaudenz von Salis-Seewis. Gedichte. Zürich, 1823.
Dort mit leichten Schritten
Jene goldnen Quitten
In den Landhof trägt!
1. Bunt sind schon die Wälder,
Gelb die Stoppelfelder,
Und der Herbst beginnt.
Rote Blätter fallen,
Graue Nebel wallen,
Kühler weht der Wind.
4. Flinke Träger springen,
Und die Mädchen singen,
Alles jubelt froh.
Bunte Bänder schweben
Zwischen hohen Reben
Auf dem Hut von Stroh.
2. Wie die volle Traube
Aus der Rebenlaube
Purpurfarbig strahlt!
Am Geländer reifen
Pfirsiche, mit Streifen
Rot und weiß bemalt.
5. Geige tönt und Flöte
Bei der Abendröte
Und im Mondenglanz;
Junge Winzerinnen
Winken und beginnen
Deutschen Ringeltanz.
3. Sieh, wie hier die Dirne
Emsig Pflaum' und Birne
In ihr Körbchen legt,
166. Des alten Baumes Klage.
Von August Stöber. Gedichte. Straßburg, 1842.
Die Bienen, nicht verdrießlich,
Sogen die Blüten mir aus.
1. Mir armem, altem Baume
Ziemt wohl ein traurig Lied;
Ich bin vom bangen Traume
So recht zum Tode müd'.
5. Nun bin ich alt, und ärmlich
Komm' ich den Leuten vor,
Streck mutlos und erbärmlich
Die leeren Ast' empor.
2. War einst ein frisches Leben,
War einst ein frisches Blut;
Solang' ich konnte geben,
Da war ich jedem gut.
6. Nun singt kein Vogel Lieder
Und teilt wie Lust auch Schmerz,
Nun kommt kein Bienlein wieder;
Den Alten kennt kein Herz.
3. Dem Mäher gab, dem matten,
Ich Schirm zur süßen Ruh'
Und warf ihm meinen Schatten
Samt meinen Früchten zu.
7. So schlag mich, Sturm, zusammen,
Rett' mich vor Spott und Hohn
In heil'gen Opferflammen
Laß fallen meine Kron'!
4. Den Vöglein war ersprießlich
Mein frisches Blätterhaus;