Full text: [Abt. 2 = Für Quinta, [Schülerband]] (Abt. 2 = Für Quinta, [Schülerband])

Hebel. von Salis-Seewis. Stöber. 
343 
165. Herbstlied. 
Von Johann Gaudenz von Salis-Seewis. Gedichte. Zürich, 1823. 
Dort mit leichten Schritten 
Jene goldnen Quitten 
In den Landhof trägt! 
1. Bunt sind schon die Wälder, 
Gelb die Stoppelfelder, 
Und der Herbst beginnt. 
Rote Blätter fallen, 
Graue Nebel wallen, 
Kühler weht der Wind. 
4. Flinke Träger springen, 
Und die Mädchen singen, 
Alles jubelt froh. 
Bunte Bänder schweben 
Zwischen hohen Reben 
Auf dem Hut von Stroh. 
2. Wie die volle Traube 
Aus der Rebenlaube 
Purpurfarbig strahlt! 
Am Geländer reifen 
Pfirsiche, mit Streifen 
Rot und weiß bemalt. 
5. Geige tönt und Flöte 
Bei der Abendröte 
Und im Mondenglanz; 
Junge Winzerinnen 
Winken und beginnen 
Deutschen Ringeltanz. 
3. Sieh, wie hier die Dirne 
Emsig Pflaum' und Birne 
In ihr Körbchen legt, 
166. Des alten Baumes Klage. 
Von August Stöber. Gedichte. Straßburg, 1842. 
Die Bienen, nicht verdrießlich, 
Sogen die Blüten mir aus. 
1. Mir armem, altem Baume 
Ziemt wohl ein traurig Lied; 
Ich bin vom bangen Traume 
So recht zum Tode müd'. 
5. Nun bin ich alt, und ärmlich 
Komm' ich den Leuten vor, 
Streck mutlos und erbärmlich 
Die leeren Ast' empor. 
2. War einst ein frisches Leben, 
War einst ein frisches Blut; 
Solang' ich konnte geben, 
Da war ich jedem gut. 
6. Nun singt kein Vogel Lieder 
Und teilt wie Lust auch Schmerz, 
Nun kommt kein Bienlein wieder; 
Den Alten kennt kein Herz. 
3. Dem Mäher gab, dem matten, 
Ich Schirm zur süßen Ruh' 
Und warf ihm meinen Schatten 
Samt meinen Früchten zu. 
7. So schlag mich, Sturm, zusammen, 
Rett' mich vor Spott und Hohn 
In heil'gen Opferflammen 
Laß fallen meine Kron'! 
4. Den Vöglein war ersprießlich 
Mein frisches Blätterhaus;
	        
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