Full text: Kommentar zu Serie III der Kulturgeschichtlichen Bilder (H. 3)

Unb ist es freylich ein großes Unglück vor alle unb jebe Zeiten, baß ein 
Cavallier glaubet, es bestehe sein Abel barinnen, wenn er von guten Hunben, 
erjagten Wilbpreth, eingeschluckten Waas Wein unb Bier, gemachten 
Debauchen mit Weibes-Volk, gehaltenen Duellen unb anbereu begleichen 
raren Qualitäten einen Discours zu führen wisse, um Staats- unb gelehrte 
Sachen aber sich zu bekümmern, gehöre zu feinem Charakter ganz 
nicht unb wären bieses Dinge, bie selbigen nur verunebelten, bet sie buch 
solchen ihren Abel ursprünglich zu bansen". (Aus „Das sich selbst nicht 
fennenbe Sachseu" im Patriot. Archiv 23b. 8 Seite 277 ff.) Die Abeligen 
meinen, „sich vor allen dNenschen notwenbig zu bistinguiren, wenn sie 
zu erzählen wissen, wieviel sie zu Paris ä la Bassete verspielet, was 
ber König ben unb ben Tag vor ein Hembe angezogen, wie viel ber Dauphin 
im Walb zu Vinceunes Wölfe gefangen, was ber Sprach- unb Tanz- 
meister bes Monats gekostet (bavon boch viele blutwenig mit nach Hause 
bringen), wie ber Weg zwischen Orleans, Blois unb Lion ausgesehen, 
ob er kothig ober trocken gewesen u. s. w." Aufmerksam lauscht man 
daher ben wohlgesetzten Worten bes welterfahrenen Cavaliers, welcher 
vom französischen Hose, ber ja allen deutschen Fürsten als Muster bient, 
unb von Lnbwig bem Vierzehnten, bem er vorgestellt worben ist, unb 
von bem Hoslebeu berichtet: „Wenn ber Hos zu Fontainebleau* war, 
ging es viel lustiger zu als zu Versailles, man kann wohl sagen, 
baß er baselbst in seinem vollen Glanze erschien .... Ich beraub mich 
zu Fontainebleau kurz nach bem Waffeustillstaub mit ben Englänbern. 
Die Zeitung von bem Frieben, ben man zu schließen tut Begriffe 
war, unb bas Treffen, bas man bei Denain erfochten hatte, schien 
dem Hose bas Ansehen berjenigen Lustbarkeiten wiebergegeben zu haben, 
das man seit vielen Jahren nicht an ihm wahrgenommen hatte. Der 
Churfürst von Bayern besanb sich noch zugegen. Bei ber Mabame von 
Berry unb bei bem Herzoge von Antin würbe ein Spiel gespielt, bas mit 
den allgemeinen Bebräugnissen gar keine Ähnlichkeit hatte. Die spielenbe 
Gesellschaft bestaub aus 12 Personen, bie „Lauskenet" spielten, biese setzten 
anfänglich 4 Louis ein unb ließen es zuletzt bis auf 100 Louis b'Or 
steigen. Einen Abenb gewann ich babei in weniger als einer Stunbe nur 
zum Zeitvertreibe 700 Louis, ohne gar gut 100 Stück, um bie mich bie 
Frau Herzogin be la Ferte hinterging unb noch 80, bie sie von mir lehnte 
unb mir niemals wiebergegeben hat.** Vielleicht meinte sie, sich solchergestalt 
* Pölnitz I, 302 ff. 
^ Diese Erzählung zeigt recht deutlich, wie unter dem Adelsstände die strengeren 
Begriffe von Ehre, die gewöhnlichen Grundsätze der Moral und der bürgerlichen Gesetze 
fast ganz geschwunden waren. Andere Beispiele von Ehrlosigkeit und Gesetzesverachtung 
unter dem Adel siehe Biedermann a. a. O. II, 129.
	        
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