Full text: Kommentar zu Serie III der Kulturgeschichtlichen Bilder (H. 3)

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Bei, ist er doch selbst in Dresden gewesen und hat die herrlichen Feste, die 
bei dem Einzuge der Erzherzogin Josephine, der Braut des Kurprinzen 
(1719), veranstaltete wurden, mit angesehen.* In aller Erinnerung aber 
ist noch das Lnstlager von Mühlberg (1730), bei dem König Friedrich 
Wilhelm I. von Preußen nebst seinem Kronprinzen und dem alten Dessauer, 
außerdem 47 Herzöge und Fürsten, 15 Gesandte verschiedener Mächte, 
69 Grafen und 38 Barone anwesend waren, und das über 1 Million 
(nach anderen 5 Millionen) Thaler gekostet haben soll ** (Eine Schilderung 
dieses Festes s. bei Dr. P. Arras, Bilder aus der sächsischen Geschichte. 
Leipzig 18S‘, Seite 55 ss.) Ein Eavalier, der an dem Feste teilgenommen 
hat, weiß zu erzählen, wie sogar Friedrich Wilhelm I. von Preußen, der 
sonst solche» glänzenden Festen abhold war, höchst erfreut gewesen sei und 
dann gegen den Kronprinzen von Sachsen, mit dem er c>as ganze Fest 
über an einem Fenster gestanden hatte, geäußert habe, „wie Sie über 
dergleichen Magniiicence ganz inniglich charmieret (entzückt) wären und 
seines Herrn Leiter Majestät das Zeugnis geben müßten, das wohl niemand 
that man selbst der Natur Zwang an. August der Starke ließ bei dem Lustlager bei 
Mühlberg durch 500 Bauern und 250 Bergleuten ein ganzes Stück Wald ausroden, um 
besseren latz für feine Anstalten zu gewinnen. Karl Eugen von Würtemberg, nicht 
zufrieden mit den gewöhnlichen Lustbarkeiten, ließ auf Berge Seen graben, diese mit 
Wasser füllen, und ergötzte sich daran, Hirsche darin zu jagen; er ließ ganze Wälder 
künstlich erleuchten, in Mitte deren aus ©rotten Heere von Jaunen und Satiren 
hervorsprangen und in der Mitternachtsstunde wollüstige Ballete aufführte." Bieder¬ 
mann II, 112. 
* Den ausführlichen Bericht hierüber siehe Pölnitz II, Seite 73 und ff. 
Daß solche Feste und die Kosten der Maitreffen (die Gräfin Kofel soll August dem 
Starken 20 Millionen Thaler gekostet haben) und der Günstlinge und Hofbeamten den 
otaat an den Rand des Verderbens brachten, war natürlich. Von den 3 Millionen 
rheinischen Gulden, welche die Pfalz eintrug, verwendete der prachtliebende Earl Theodor 
200000 auf die Oper, 100000 auf den Marftaü, 80000 auf die Jagd, 60000 auf die 
^schlöffet, und ebenso viel aus seine Kunstgärten zu Mannheim und Schwetzingen, in 
toumma 1 Million oder 1/6 seiner ganzen Einkünfte, noch ohne die Kosten seiner übrigen 
Hofhaltung. Was die letztere kostete, ersieht man daraus, daß der Hofkalender von 1783 
431 Kammerherren, 1)1 Kammerdiener und Hoflakaien, 3 Hofzwerge, 2 Hofpoeten, 52 
Hofkapläne, 21 Hoftrompeter, 130 Musiker. 20 Hofmaler, 21 Leibärzte, 27 Truchsesse, 
1*1 andere für E'jen und Trinken angestellte, 178 beim Marstall u. s. w. auszählte. 
Näheres bei Biedermann 1, 225 ff und Johannes Scherr 421 ff.) Der Hofstaat und die Unter¬ 
haltung der Familie des ersten Königs von Preußen erforderte jährlich die Summe von 
820000 Thalern, nur 10 000 Thaler weniger als die ganze Eivilstaatsoerwaltung des 
Königreichs kostete. Welche Sparsamkeit herrschte dagegen am Hofe Friedrich Wilhelms I. 
und Friedrichs des Großen! Diese Fürsten verwendeten freilich die größten Summen 
auf das Militär. Der Erstere, der für feine eigene Person höchst sparsam lebte, ver¬ 
wandte von 7 Millionen Thaler Einnahmen nahezu 6 Millionen auf das Heerwesen, auf 
alles andere kaum l1/, Millionen Thaler.
	        
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