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V. Aus der Geschichte.
neigte mich rings herum; ich legte die Hand aufs Herz, ich dankte
stammelnd und suchte einen Ausweg durch die immer gedrängter zu¬
sammenstürzende Menge. Zwar machten sie mir willig Platz, aber sie
folgten mir auch mit anhaltendem Freudengeschrei: „Vivat der gerechte
König!" In der Tat, nie in nleinem Leben fühlte ich mich geehrter
und glücklicher, ein Untertan des großen Friedrich zu sein, als in
diesem Augenblicke! Im Hause meines Korrespondenten, in das ich
mich mit Mühe flüchtete, waren alle Türen und Fenster aufgerissen
und mit verwunderten Zuschauern besetzt. Umsonst fragte man mich,
was dies zu bedeuten habe. Mein bewegtes Gemüt fand keine Stimme
und keine Worte, mich verständlich zu machen. Draußen aber stieg
der freudige Tumult immer höher und höher, und, um nur das Volk
zu beruhigen und vom Platze zu bringen, blieb mir endlich nichts übrig,
als hinaus auf den Balkon des Hauses zu treten und nüch ihm noch
einmal zu zeigen. Ich dankte mit Mund und Händen, und allmählich
verlief sich der Menschenstrom wieder.
Hierauf erzählte ich meinen Tischgenossen das wundersame Be¬
gebnis, das ich soeben erlebt hatte, und auch die erste Veranlassung
dazu, die Arnoldsche Prozeßgeschichte, so gut sie mir bekannt war.
Einer von den anwesenden Kontoristen versicherte jedoch, über diesen
Gegenstand noch genauere Auskunft geben zu können, ging hin und
holte eine kleine portugiesische Flugschrift, die in einer treuen geschicht¬
lichen Darstellung dem gerechtesten der Könige auch bei einem ent¬
fernten Volke ein verdientes Ehrenmal setzte. — Hieran spiegelt euch,
ihr Preußen!
/1% Ein Heldenritt und der erste Kampf aus dem Jahre J870.
Nach Karl flieht. Fröschmeiler Chronik. München.
Schon mehrmals war in Fröschweiler, Wörth und Umgegend der
Alarmruf gehört worden: „Die Preußen kommen! die Preußen kommen!"
Wer hat's gesagt? wo sind sie? — Ja, das aus dem allgemeinen Wirrwarr
noch herausbringen! Die Einwohner liefen zusammen, stürzten durch¬
einander, die Jägerschwadron sprengte hin und her, das ganze Regiment
kam von Niederbronn und patrouillierte nach allen Richtungen —
die Preußen kamen nicht, und alles gab sich wieder zufrieden. Doch
war einem nicht mehr ganz heimlich zu Mute. Die Eisenbahn dröhnte
so geheimnisvoll von Neichshofen über den Großenwald herüber; die
Windstille fing an, drückend sich auf die Gemüter zu legen. Plötzlich,
früh morgens am 24. Juli, kam der Schloßjakob leichenblaß von Elsa߬
hausen hereingelaufen und schrie aus vollem Halse: „Die Preußen
kommen! die Preußen sind da! ich habe sie gesehen, sie sind durch