Full text: Das Mittelalter (Band 2)

132 Heinrich IV. Rudolf v. Schwaben. Bürgerkrieg. 
gegen den Papst ermunterte. Heinrich ließ sich reizen und wurde 
wankelmütig. 
Er vergaß, was er in Canossa versprochen halle, machte 
mit den Bischöfen der Lombardei und den weltlichen Großen 
daselbst — welche sich mit der Hoffnung schmeichelten, mit Hein¬ 
richs Hilft den ihnen verhaßten Papst Zu vertreiben — gemein¬ 
schaftliche Sache und fiel mit einem Heere in Italien ein. Er 
machte sogar Anstalten einen Gegenpapst aufzustellen. 
Noch im Jahre 1077 fand in Forchheim ein Reichstag 
statt, den aber Gregor nicht besuchen konnte, weil Heinrich ihm 
den Weg nach Deutschland versperrt hatte. Hier wurde, so sehr 
auch Gregor diesen Schritt nur im schlimmsten Notfälle zu thun 
geraten hatte, Herzog Rudols von Schwaben zum Könige ge¬ 
wählt. Jetzt begann der Krieg durch Deutschland zu wüten, 
welcher die betreffenden Länder in eine Wüste verwandelte. Der 
Papst, der sich anfangs weder für Heinrich, was nach allen Vor¬ 
gängen unmöglich war, noch für den Gegenkönig Rudolf von 
Schwaben entschied, weil dieser ohne sein Zuthun gewählt wor¬ 
den war, ermahnte beide Teile zum Frieden und wollte auf einem 
neuen Reichstage die Sache entschieden haben. Wie sehr auch 
solches Benehmen das edelmütige Herz Gregors offenbarte, so 
schlecht ward es ihm doch von beiden Seiten gelohnt. Erst 
1080, da Heinrich von seinen Eingriffen in die Rechte der Kirche 
nicht abließ, sprach Gregor auf einer neuen Synode zu Rom 
das Endurteil. Er erklärte den König Heinrich für abgesetzt, 
Rudolf aber als rechtmäßig erwählten König von Deutschland. 
Da der Gegenkönig Rudols jedoch schon im folgenden Jahre in 
einer Schlacht fiel, zog Heinrich nach Italien. Überall fielen ihm 
die abtrünnigen Bischöfe zu, und Wtbert1) von Ravenna als 
Gegenpapst aufstellend, zog er mit Heeresmacht gegen Rom. 
Heinrich verlangte nun von Gregor, er möchte ihm die Kaiser¬ 
krone aussetzen, daun wolle er Wibert verabschieden und in Frie¬ 
den abziehen. Allein der Papst blieb unbeugsam; sein Geist hob 
sich mit der Gefahr. Als Heinrich endlich mit Gewalt eindrang, 
und von Wibert die Kaiserkrone empfing, fand Gregor Hilfe bei 
den Normannen. Ihr tapferer Herzog Gniskard leistete dem 
schwerbedrängten Papst Hilft und sicherte ihm in Salerno eine 
Zuflucht. Papst Gregor wankte indeß feinen Augenblick; erhielt 
fest am Rechte, wenn auch das Glück ihn verließ. Jedoch die 
Kräfte seines Lebens, welche in geistiger und leiblicher An- 
1) Clemens III.
	        
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