Gregors VII. Tod. Ende Heinrichs IV. 133
ftrenguug keine Ruhe gekannt, waren endlich erschöpft. Die Lei¬
den der letzteren Zeit hatten auf ihn so sehr eingewirkt, daß ihn
die Schwäche des Körpers gänzlich aus das Krankenlager warf.
Indem er die Seinen um sich versammelte, sprach er zu ihnen:
„Geliebteste Brüder, ich will keine meiner Thaten sehr rühmen;
aber darauf vertraue ich, daß ich stets das Recht geliebt und die
Gottlosigkeit gehaßt habe."
Da die Stunde des Scheidens näher und naher ruckte und
er schon in großer Schwachheit den Hingang seiner Seele vor-
empsand, sprach er seine letzten Worte: „Ich habe Gerechtigkeit
geliebt und die Gottlosigkeit gehaßt, darum sterbe ich in der
Verbannung!" Er starb am 25. Mai 1085 und wurde in der
Matthäuskirche zu Salerno beigesetzt.
7. Heinrichs Ende.
Mit dem Tode Gregors hatte Heinrich seinen Hauptgegner
verloren und es schien, als sollten nun ruhigere Zeiten für ihn
anbrechen. Doch war der Sturm nicht lange beruhigt. Der
unter Bitterkeiten grau gewordene Kaiser mußte in seinen letzten
Lebensjahren sehen, daß sein eigener Sohn Konrad, und als
dieser gestorben war, sein Zweiter Sohn Heinrich sich gegen ihn
auflehnte. Und als er von dem eigenen Sohne gezwungen wurde,
seine Krone und sein Reich abzutreten, da rief er wehmutsvoll
aus: „Ich leide für die Sünden meiner Jugend, wie noch kein
Fürst gelitten; aber eure That wird nicht gerechtfertigt durch
meine frühere Schuld." Im Jahre 1106 befreite ihn der Tod
von einem Leben, das ihm eine unsägliche Reihe von Wider¬
wärtigkeiten gebracht. Aber auch im Tode fand er nicht Ruhe,
da er im Banne gestorben; so wurde ihm das Begräbnis in
geweihter Erbe verweigert und erst nach 5 Jahren wurde der
Bann von ihm genommen und seine Leiche im Dom zu Speier
feierlich beigesetzt.
Heinrich V. (1106 — 1125) wurde zwar schon bei Leb¬
zeiten des Vaters zum römischen König gewählt, _ mußte aber
das Versprechen abgeben, so lange der Vater lebe, sich nicht um
die Regierung zu bekümmern. Dieses Versprechen brach _ er,
wie wir oben gesehen haben, durch den Aufstand gegen feinen
Vater. Nach dessen Tode wurde er übrigens allgemein als
deutscher König anerkannt und führte gegen die äußeren Feinde
Deutschlands glückliche Kriege. Allein die Ansprüche aus die
Investitur, welche schon sein Vater nicht ausgeben wollte, ver¬
wickelte auch ihn mit den Päpsten in Streit, bis endlich durch