Full text: Leitfaden zum ersten Unterricht in alter Geschichte

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der Natur waltenden Kräfte, der segenbringenden und verderblichen, 
und verband sich nicht selten mit grausamen und unsittlichen Ge¬ 
bräuchen. Nur in dem eigengearteten Volke Israel lebte das Be¬ 
wußtsein von Einem Gotte. Die Staatsverfassung der orientalischen 
Völker ließ den einzelnen nicht zur Geltung kommen, da die Könige 
mit unumschränkter Machtvollkommenheit regierten und als Stellver¬ 
treter der Götter betrachtet wurden. (Despotismus). Neben dem 
Staatsoberhaupte genossen die Priester und Krieger das höchste An¬ 
sehn im Volke; sie sonderten sich als besondere Kasten von dem übri¬ 
gen Volke ab, das nach seinen Beschäftigungen, die sich von Vater 
auf Sohn vererbten, ebenfalls kastenartig gegliedert war. Sklaverei 
herrschte im ganzen Altertum, da die im Kriege Gefangenen von den 
Siegern auf die Dauer ihrer Freiheit beraubt und zu Knechtsarbeit 
gezwungen wurden. 
I. Morgenländische Völker. 
§ 2. Aegypter. 
1. Ein uraltes Kulturvolk des Ostens sind die Aegypter. Aegyp¬ 
ten, im Altertum zu Asien gerechnet, ist das fruchtbare, langgestreckte 
Thalland des Nils, der mit seinen Mündungen ein erweitertes 
Tiefland, das Delta bildet. Im Osten wird das Land von dem 
Gebirge Arabiens und dem arabischen Meerbusen, im Westen von 
der libyschen Wüste begrenzt, während es im Norden an das Mittel¬ 
meer stößt. Aegypten teilt sich in 1) Oberägypten mit der Hirn- 
dertthorigen Hauptstadt Theben; 2) Mittelägypten mit der Haupt¬ 
stadt Memphis, dem Mörissee und dem Labyrinth; 3) Unterägypten 
(Delta) mit Pelusium am östlichen, Kanopus am westlichen Nilarm, 
Sais, Naukratis und später Alexandria. 
2. Die jährlichen, regelmäßigen Überschwemmungen des 
Nils (Juli bis Oktober) verlangten schon srüh die Vorsorge der 
Bevölkerung. Kanäle wurden gegraben, um das Wasser vou den 
sumpsigen Niederungen abzuleiten und die zu hoch gelegenen Strecken 
zu bewässern; der mit Schlamm befruchtete Boden führte zum 
Ackerbau und das nahe Gebirge gab das Gestein zu dauerhaften 
Bauten. Noch staunen wir über die stattlichen Ueberreste von Theben, 
über die Obelisken und Pyramiden, (mehr als 30), deren größte 
die des Cheops bei Gizeh ist (jetzt 137 m., ehedem 146Vs). Die 
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