244
Dritte Periode der neueren Geschichte.
im Angesichte der Kaiserstadt zu einer furchtbar heißen Schlacht, in
welcher Napoleon den Kürzeren zog. Der tapfere Marschall Lannes,
olemiL Herzog von Montebello, blieb, die Marschälle Massena und Besseres
bei Aspern, nebst vielen Generälen waren schwer verwundet. Die Franzosen zogen
sich auf die Insel Lobau zurück, und da durch Holzmassen und brennende
Fahrzeuge, welche den Strom hinabgeführt wurden, die Brücken ab-
^ brannten, so wäre das französische Heer verloren gewesen, wenn die
Franzosen Oesterreicher ihren Vortheil verfolgt hätten. So erholte sich Napoleon
bei Wagram, wieder und eilte nach sechs Wochen, den nämlichen Weg über den Strom
einschlagend, den Oesterreichern entgegen, um unweit Aspern die mör¬
derische Schlacht von Wagram zu liefern. Erzherzog Karl mußte sich
nach Mähren zurückziehen, wo ihn die Kunde von einem zu Znaim
abgeschlossenen Waffenstillstände traf. Er konnte es nicht mehr hindern,
Schö'nbrunn^daß im Frieden zu Schönbrunn (1809) dem Kaiser Franz I. Salz¬
burg, Berchtesgaden, das Jnnviertel, ein Theil von Kärnthen, Krain,
Jllyrien *), Ungarn und Galizien, im Ganzen 2000 Q.-M. mit
3 Millionen Einwohnern, abgenommen wurden. Napoleon kehrte nach
Paris zurück, ließ sich kurz darauf von seiner liebenswürdigen Gemahlin
Marie Louise Josephine scheiden und warb um die Hand der Erzherzogin Marie
Nap°"°ns!" ^uise. Am 2. April 1810 fand zu Paris die Vermählung statt, und
am 20. März 1811 ward des Kaisers sehnlichster Wunsch erfüllt: es
wurde ihm ein Sohn geboren, welcher den bedeutungsvollen Titel
„König von Rom" erhielt.
Tyrol^unter ^ Niederlage des Erzherzogs Karl bei Wagram gingen
Andreas auch die Anstrengungen der heldenmüthigen Tyroler verloren. Schon
Hofer ic. vor der Schlacht bei Aspern hatte sich in Tyrol ein Volksaufstand zu
Gunsten des habsburgischen Kaiserhauses erhoben. Die Häupter desselben
waren der Sandwirth Hofer von Passeyer, ein schlichter, kräftiger
Mann von stattlichem Aussehen, im unteren Innthal Joseph Speck¬
bacher, der beste Schütze weit und breit, und im oberen Innthal der
Krämer Martin Teimer. Bald hatten die Tyroler die bairisch-fran-
zösische Herrschaft abgeschüttelt. Aber Napoleon schickte auf die Kunde
hiervon den Marschall Lefebvre mit vielem Kriegsvolke nach Tyrol;
dieser vertrieb den österreichischen General Chasteler und errang einige
Vortheile über das Bauernvolk. In dieser Noth berief Andreas Hofer
alles waffenfähige Volk an den Berg Jsel bei Innsbruck, und ein
rothbärtiger Capuziner, Namens Haspinger, kam auch herbei, ein Mann,
mehr zum Feldherrn als zum Mönch geschaffen. Nun begann ein
*) Oesterreich büßte seine sämmtlichen Besitzungen am adriatischen Meere ein.