Full text: Charakterbilder deutschen Landes und Lebens für Schule und Haus (Theil 3)

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wobei der Handschlag Brief und Siegel vertritt, wie im Bunde der 
Liebe, und es wird nie der Fall vorkommen, daß ein dortiger Bursch 
das einmal angelobte Mädchen böswillig verlassen hätte. Oft freilich 
kommt statt des heißersehnten Fahrzeuges die Trauerpost, daß es im 
letzten Sturm mit „Mann und Maus verloren gegangen'', und man 
findet in den fischländischen Dörfern gar manche junge Wittwe, manche 
verlobte Braut, die ihr Leben lang den untergegangenen Geliebten in 
stiller Abgeschiedenheit betrauert. Das ist die Poesie des Seelebens, in 
wenigen Stunden im Arm der heißen Liebe oder im Schooß des kühlen 
Meeres. 
Als der Großherzog von Mecklenburg auf seiner größeren Reise im 
Orient auch in Constantinopel verweilte, ward im dortigen Hafen sein 
Auge durch den Anblick der mecklenburgischen Flagge erfreut, die auf den 
Masten zweier stattlichen Schiffe, von denen eins ein sehr schöner Drei- 
master war, wehte. Er fuhr an den Bord derselben, unterhielt sich lange 
mit den Capitänen, beide ächte „Fischländer", und erbot sich Briefe und 
Grüße an ihre Frauen zu überbringen, da er doch wohl früher wie sie, 
die noch nach dem schwarzen Meere wollten, die Heimath wieder er- 
reichte, was denn auch von denselben dankbar angenommen wurde. Bei 
seiner Rückkehr nach Mecklenburg hielt er auch getreulich Wort, machte 
gleich einen Ausflug nach dem „Fischland", besuchte die Familien der 
Capitäne und schenkte jeder einen silbernen Becher mit dem Datum, an 
dem er in Constantinopel bei ihren Männern an Bord gewesen war, 
zum Andenken. 
Ist das Aeußere der Wohnungen auf dem „Fischlande" schon im 
hohen Grade ansprechend und gut gepflegt, so ist es noch mehr das 
Innere. Die sauber geweißte Diele, auf der gewöhnlich einige blank 
polirte Schränke stehen, ist mit zierlichen holländischen Klinken, stets rein 
gewaschen, in bunten Mustern belegt. Das Wohnzimmer ist ganz wie 
eine Schiffscajüte, nur in vergrößerter Weise eingerichtet, mit- vielen 
Wandschränken in den Wänden, die oft ganz mit gefirnißtem Holz aus- 
getäfelt sind. An der Decke hängt gewöhnlich ein gut geschnitztes, bis 
auf das kleinste Tauwerk getreues Modell des Schiffes, auf dem der 
Mann fährt, von diesem in müssigen Winterstunden zur Freude und 
Belehrung ausgeschnitzt, sonst aber noch Kokosnüsse, große Muscheln, 
ausgetrocknete Delphine, kurz ähnliche von den Reisen mitgebrachte Merk- 
Würdigkeiten. Kommt man als Fremder in eine solche Capitänswohnung, 
so wird man auf eben so dringende wie gutmüthige Weise eingeladen, 
eine Tasse Kaffee oder Thee, oder ein Gläschen Rum, wenn es kalt ist, 
zu trinken, daß man es unmöglich abschlagen kann, was auch sehr übel 
genommen würde. Man bekommt dann so guten, starken Kaffee, oder 
so feinen Zucker, so ächten Rum, was Alles der Mann von seinen Rei- 
sen mitbringt, wie man es nur selten in einer deutschen Binnenstadt 
finden wird. Was aber sehr überrascht, ist das vollständige Service
	        
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