Full text: Das Deutsche Reich, Zusammenfassende Darstellung der mathematischen Erdkunde, Wiederholung der außereuropäischen Erdteile, Grundzüge der Handelsgeographie und Verkehrswege (Teil 6)

Wirkliche Bewegungen der Himmelskörper. 69 
Größe der Erde. 
Da die geographische Breite gleich der Polhöhe ist, so kann man den Grad- 
abstand zweier Orte, die auf demselben Meridiane liegen, einfach durch die Be- 
stimmung ihrer Polhöhe finden. Wird nun die Entfernung der beiden Orte wirk- 
lich gemessen, so kann man daraus leicht die Größe der Erde berechnen. Solche 
Messungen sind in der Tat in den verschiedensten Breiten vorgenommen worden. 
Dabei hat man als Resultat gefunden, daß ein Grad eines Meridians rund 
III km lang ist, mithin der 15. Teil eines solchen, den man die deutsche geo- 
graphische Meile nennt, 7420 m beträgt. Daraus ergibt sich nun alles 
übrige. 
Der Umfang der Erde (am Äquator) ist — 40070 km. Der Äqua¬ 
torialdurchmesser ist = 12755 km, der polare Durchmesser = 12 712 km. 
Die Oberfläche der Erde berechnet sich auf 510 Millionen qkm. 
Achsendrehung der Erde (Rotation). 
Alle Himmelskörper scheinen sich regelmäßig binnen 24 Stunden von O. 
nach W. um die Erde zu drehen. 
Gegen diese Annahme sprechen aber folgende Tatsachen: 
1. Die Abplattung der Erde. Jeder weiche Körper — und ein solcher 
ist auch die Erde gewesen — nimmt nur dann sphäroidische Gestalt an, wenn 
er sich um seine Achse dreht; 
2. Fallversuche. Ein aus der Höhe herabfallender Körper müßte auf 
einen senkrecht unter ihm liegenden Punkt der Erdoberfläche fallen, wenn die Erde 
ruhte: er fällt aber östlich von diesem Punkt auf. Das läßt sich wieder nur aus 
der Rotation der Erde erklären. Die Spitze eines Turmes, von welcher der 
Körper herabfällt, rotiert nämlich etwas schneller als der Fuß des Turmes, wo 
der Körper auffällt, weil sie wegen ihrer größeren Entfernung vom Erdmittel- 
punkte in derselben Zeit einen größeren Kreis beschreibt als dieser. An der 
schnelleren Bewegung der Spitze nimmt nun auch der herabfallende Körper teil 
und behält dieselbe vermöge des Beharrungsgesetzes auch während des Falles; 
er muß also östlich von der senkrechten Richtung aufschlagen; 
Jf 3. Foucaults Pendelversuch. Nach dem Beharrungsgesetze muß ein 
in Schwingung gesetztes Pendel stets in unveränderter Richtung fortschwingen, 
seine ursprüngliche Schwingungsebene beibehalten. Nun aber zeigen Versuche mit 
langen schweren Pendeln eine stete, in ihrer Größe genau vorher berechenbare 
Abweichung von der ursprünglichen Schwingungsebene, und zwar stets von Osten 
nach Westen. Diese Tatsache findet ihre Erklärung in der Rotation der Erde 
von Westen nach Osten; 
4. die Passatwinde. Da in der Nähe des Äquators die Erde am 
stärksten erwärmt und infolgedessen die Luft aufgelockert wird, wird dorthin aus 
den kühleren Erdstrichen im Norden und Süden Luft angesaugt. Wäre nun die 
Erde ohne Bewegung, so müßte man nördlich vom Äquator einen Nordwind und 
südlich davon einen Südwind haben. Die Erfahrung lehrt uns aber, daß inner- 
halb der Wendekreise nördlich vom Äquator ein Nordostwind (Nordost-Passat),
	        
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