70 Mathematische Erdkunde.
südlich davon ein Südostwind (Südost-Passat) herrscht. Diese Erscheinung
erklärt sich nur aus der Achsendrehung der Erde, infolge deren alle horizontalen
Bewegungen auf der nördlichen Halbkugel rechts, auf der südlichen links ab-
gelenkt werden; /
5. die Achsendrehung, welche auch an vielen anderen Gestirnen be-
obachtet wird.
Daraus folgt:
Nicht der Sternenhimmel bewegt sich von Osten nach
Westen um die Erde, sondern die Erde dreht sich in
24 Stunden von Westen nach Osten einmal um ihre
Achse.
Folgen der Rotation sind der Wechsel von Tag und Nacht
und die scheinbare tägliche Bewegung der Gestirne von O. nach W.
Die jährliche Bewegung der Erde um die 5onne. (Revolution.)
Beobachtungen: 1. Die Bewegung der Monde um ihren Hanpt-
Planeten. Bei den mit Monden begabten Planeten sieht man im Fernrohre
die kleineren Monde stets ihre massenreicheren Hauptplaneten umwandeln. Seit
Galilei am 7. Januar 1610 die Jupitersmonde sich um ihren Hanptplaneten
hatte schwingen sehen, konnte ihn nichts in der Überzeugung, daß die Erde sich
um die Sonne bewege, wankend machen.
2. Die Aberration oder Abirrung des Lichtes. Bei genauer Be-
obachtuug durch Fernrohre findet man, daß ein Fixstern nicht an derselben Stelle
bleibt, sondern während eines Jahres einen kleinen Kreis (genauer eine kleine
Ellipse) um seinen Ort zu beschreiben scheint. Dieie Erscheinung findet nur in
der Bewegung der Erde um die Sonne (zusammengehalten mit der Geschwindig-
keit des Lichtes) ihre erschöpfende Erklärung.
Nicht die Sonne bewegt sich also um die Erde, wie der
Schein lehrt, sondern die Erde bewegt sich um die Sonne.
Die scheinbare Sonnenbahn, welche die Ekliptik genannt wird, ist somit die
wirkliche Erdbahn.
Folge der Revolution ist der Unterschied der Jahreszeiten und
der Tageslängen.
Zuerst hat die Bewegung der Erde um die Sonne Kopernikus (f 1543)
gelehrt. Doch war er noch der Meinung, daß die Bahn der Erde ein Kreis sei. Erst
Kepler ('s 1630) hat nachgewiesen, daß die Erdbahn eine Ellipse ist, in deren
einein Brennpunkt die Sonne steht.
^Die Entstehung der Jahreszeiten und der Wechsel der Tageslängen.
Die Erdachse' steht nicht senkrecht zur Erdbahuebeue, sondern schief, uud
zwar bildet sie mit der Erdbahnebene einen Winkel von 66^. Diese Stellung
behält die Erdachse während des ganzen Umlaufes der Erde bei; sie bleibt also
stets nach derselben Gegend des Himmels gerichtet oder sie bleibt sich parallel.