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14. Das deutsche Alpenvorland.
. . . O Sänger, kommt, o kommt zum Donaustrom,
Legenden schlingen sich um jeden Dom,
Und Schlösser stehen da, noch nie besungen!
Der Dürenstein, vom Abendrot verschönt,
Die alte Hainburg, deren Name tönt
Im Heldenlied der Nibelungen! . . .
O Sänger, kommt! Hier an des Volkes Herd
Sitzt keusch die Muse, und sie ist es wert,
Den Dichterarm um ihren Leib zu schlagen:
Allüberall ertönts: „Am Rhein! am Rhein!" —
Die Donau bittet euch: o denkt auch mein,
Und meiner Burgen, meiner Sagen!
Joseph Ritter von Weilen.
Zum deutschen Alpenvorland rechnen wir zunächst die Schwäbisch-
bayrische Hochebene, welche auch die Süddeutsche oder die Oberdeutsche
Hochebene genannt wird. Sie liegt auf der rechten Seite der Donau
und reicht vom Bodensee bis zum Inn und zur Salzach. Weiter
gehört dazu die Oberpfalz, welche vom Böhmerwald im Osten, vom
Fichtelgebirge im Norden und vom Fränkischen Jura im Westen
umrahmt wird. Diese Gebiete werden wir nun nacheinander betrachten.
Die Schwäbisch-bayrische (Süddeutsche oder Oberdeutsche)
Hochebene ist nicht in allen Teilen völlig eben. In einzelnen Gebieten
zeigt sie auch eine mehr wellenförmige Oberfläche. Meist aber
ist der Ausblick frei bis hinauf zu den schneegekrönten Alpenhäuptern.
Als die Alpen sich höher und immer höher auffalteten, da senkte sich
dieses Gebiet innerhalb der heutigen Schwäbisch-bayrischen Hochebene,
während Südrand und Nordrand (Deutscher Jura) gerade infolge der
faltenden Kraft mehr gehoben wurden. (Allmählicher Übergang). Es entstand
eine Art muldenförmiger Einsendung, in welcher ein gewaltiges,
vorzeitliches Meer (Tertiärmeer) flutete. Von den Alpen, die gleich
mächtigen Inseln aus dem Meere hervorschauten, stürzten gewaltige Ge-
Wässer in das Meer, und die Verwitterungsprodukte der Alpen,
Schutt und Geröll, wurden so im Meere abgelagert. Später floß
das Meer — vielleicht im heutigen Donautal bei Passau — ab, und
das Land trat zutage. Nun setzte zu Beginn der diluvialen Eiszeit
(Quartärzeit) die Tätigkeit der Alpengletscher ein. Die Temperatur
wurde immer geringer, die Schneegrenze senkte sich immer mehr, die
Gletscher der Alpen reichten schließlich bis weit in die Hochebene hinein,
wohl bis zum heutigen München, ja im Westen sogar bis an die Donau.
Und überall lagerten sie Schutt und Geröll, Sand und Kalkgrus,
das Verwitterungsmaterial, das sie von den kahlen Höhen der Alpen
mitgeführt hatten, ab, am meisten dort, wo sie abschmolzen. (Grund- und
Erdmoränen). Und so erklärt sich die durch Moränenhügel gebildete, an