Full text: Allgemeine Geographie (Teil 3)

Biologische Geographie, — II. Tiergeographie. 
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und hat sich hier mächtig vermehrt. So sehr auch die Tiere des Ozeans gegen Ver- 
ändernng des Salzgehalts empfindlich sind, so können sie sich doch allmählich daran 
gewöhnen. Es sind aus dem salzigeren Roten Meere gegen 36 Arten teils ganz, 
teils halbwegs ins Mittelmeer durch den Sueskanal hindurchgewandert, umgekehrt 
weniger. Ja es können aus Seetieren im Laufe nicht sehr langer Zeiträume Brack- 
Wasser- und endlich Süßwassergeschöpfe werden. So enthält der Baikäl-See See- 
Hunde, und die Kauadischen Seen bergen 6 Tierarten marinen Ursprungs. Der 
Kaiser-Wilhelm-Kanal ist ein Schongebiet für Ostseefische, ein Laichplatz für 
Heringe geworden, und Süßwasserfische haben sich seinen Bedingungen angepaßt. 
d) Dieses Anpassungsvermögen der Landtiere und Vögel ist vom Menschen 
in der Ausiedluug seiner Haustiere unter den verschiedensten Klimaten ausgenutzt 
worden. Die Tiere erleiden sodann eine gewisse natürliche Züchtung, wobei 
nicht nur die am besten gedeihen, die sich den Bedingungen des Klimas am leichtesten 
anschmiegen könueu, während die dazu unfähigen aussterben, sondern wobei die 
Tiere auch gewissermaßen durch die Drohung des Aussterbeus dazu gezwungen 
werden, die Farbe der sie umgebenden Natur anzunehmen. So besitzen die Wüsten- 
tiere (Wüstenfüchse, Springmäuse) das Gelb des Wüstensandes, werden viele Polar- 
tiere im Sommer dunkel, im Winter weiß. Die Nachahmung der umgebenden 
Farben oder auch anderer Tiere heißt „Mimikry". — Auf Madeira können von 
550 Käferarten 200 nicht fliegen, weil die mit Flügeln ausgestatteten durch den 
Wind ins Meer getrieben wurden, so daß nur die ungeflügelten übrigblieben und 
schließlich ganz in ungeflügelte Arten übergingen. In den Pflanzen des Sargasso- 
Meeres haben sich Fische mit Wickelschwänzen entwickelt, während dort andere die 
Flossen zum Klettern benutzen. 
Faunenreichc. Hinsichtlich der Verteilung der Tiere snicht zu verwechseln § 391. 
mit der Verbreitung der einzelnen Tierarten) zerlegt man nach Wallace das 
Land in sechs Reiche, jedoch lassen sich je zwei von diesen, nämlich das 
arktische der Alten und das der Neuen Welt, ebenso das tropische Reich 
Afrikas und das Ostindiens zum arktischen und zum tropischen Reiche der 
Alten Welt vereinigen, so daß auf diese Weise vier Reiche abgegrenzt werden. 
Auch in der Fauna springt ins Auge der Gegensatz zwischen dem entweder 
noch gut verbundenen oder verbunden gewesenen Nord festland und den 
erst spät angegliederten oder noch getrennten Südfestländern: Südamerika, 
Afrika und Australien. So besteht zwischen der Fanna von Süd- und Nord- 
amerika ein viel größerer Unterschied als zwischen diesem und Europa. Die 
Fauna der Südfestländer ist deshalb reicher geblieben an endemischen 
Gattungen: in Australien bilden diese 61°/0 der überhaupt dort vorhandenen 
Säugetiere, in Südamerika gar 97o/0. Die Alte Welt ist sehr viel reicher 
an Arten, die Neue reicher an Einzelwesen. Zwei der tiergeographischen 
Reiche zerfallen in je vier, das arktische und das tropische der Alten Welt 
in je acht Gebiete. Bei der Abgrenzung ist vor allem die Verteilung der 
Säugetiere und Vögel, daneben die der Süßwasserfische, Reptilien, Land- 
schnecken und Insekten maßgebend gewesen. Für die Tiergeographie ist zumeist 
die Säugerfauna von Bedeutung. „Veränderungen in der Verteilung von 
Waffer und Land kommen in dieser Fauna am besten zum Ausdrucke." Alle 
wesentlichen Grenzen natürlicher tiergeographischer Bezirke lassen sich auf die 
Tertiärzeit, bzw. auf die Verteilung von Land und Waffer in der Pliozänzeit
	        
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