Full text: Die Provinz Hessen-Nassau (H. 2)

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oder an wagerechten Rissen bei ihrer Verwitterung (z. B. Schiefer und 
Kalkstein) noch deutlich zu erkennen. 
Nachdem schon viele Schichten der Sedimentgesteine sich gebildet 
hatten, drangen durch Risse in der Erdrinde wiederum feurig-slüssige 
Massen empor und überlagerten die vorhandenen Schichten. Sie zeigen 
keine Spur einer Schichtung und heißen vulkanische Gesteine. 
Zu ihnen gehören Basalt und Phonolith oder Klingstein. 
Die Schichten der Erdrinde blieben aber nicht ruhig in ihrer 
ursprünglichen Anordnung liegen. Es entstanden Risse und Ein- 
brüche iu der Erdkruste, die benachbarten Schollen gerieten in Be- 
wegung, und häusig wurden mehrere derselben übereinander geschoben. 
Manche Schichten wurden vom Wasser vollständig hinweggewaschen, 
und ganz alte Gesteine wurden wiederum von ganz jungen überdeckt. 
Doch haben die Gelehrten — namentlich aus den eingeschlossenen 
Versteinerungen — feststellen können, welche Gesteine früher und 
welche später entstanden. Wir merken über die Entstehung der 
Schichten folgendes, wobei wir nur die in Hessen-Nassan häufiger 
vorkommenden Gesteine berücksichtigen: 
A. Das Urgebirge besteht in der Hauptsache aus Gneis und 
Granit. Er tritt im Vorspessart und im Thüringer Wald 
zutage und zeigt keine Versteinerungen früherer Lebewesen. Im 
Gneis liegen oft Silbererze eingelagert. 
B. Auf dem Urgebirge liegen die altzcitlichen oder paläozoischen^) 
Scdimentschichten. Von ihnen unterscheidet man wieder folgende 
Gruppen: 
1. Die ältesten Sedimentgesteine find die Silur - und Devon- 
schichten. Zu ihnen gehören die Schiefergesteine und Grau- 
wackeu des Rheinischen Schieserqebirges. Eingelagert sind 
besonders Eisenerze. 
2. Nach der Absetzung dieser Schichten kam eine Zeit, in der 
in Deutschland ein fast tropisches Klima herrschte. Dasselbe 
rief an den Rändern der damals nicht mehr vom Meere 
bedeckten Gebiete einen sehr üppigen Pflanzenwuchs hervor. 
Die zu jener Zeit entstandenen Bäume (meist riesige Schachtel- 
Halme und ähnliche Gewächse) wurden dann wieder vom 
Meere überflutet und mit Sandschichten bedeckt. Dadurch 
wurden die Pflanzenmassen von der Luft abgeschlossen, stark 
zusammengepreßt und mit der Zeit zu Steinkohlen um- 
gebildet. Der Vorgang wiederholte sich mehrmals, und so 
entstanden zahlreiche Kohlenflöze übereinander. Sie finden 
sich am Süd- und am Nordrande des Rheinischen Schiefer- 
gebirges (Saarbecken, Ruhrkohleugebiet, Kohlenlager von 
' ) Diese Bezeichnung und auch die ähnlich gebildeten Wörter, „mesozoisch" 
und „neozoisch" sind der griechischen Sprache entnommen; palaios = alt, mesos = 
wüten, neos = neu, zoos = lebendig, Paläozoikum — Zeit der alten Lebewesen, 
-Nejozoikum —Zeit der mittelalterlichen Lebewesen, Neozoikum — Zeit der neueren 
Lebewesen.
	        
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