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Title:
Heimatkundlicher Anschauungsunterricht im zweiten und dritten Schuljahre
Persons:
Wernecke, Robert
PURL:
https://gei-digital.gei.de:443/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:0220-gd-8879568
<br> VI <br> Vorwort. <br> kündigt. Das Auge des Schülers muß daher gebildet werden, diese Schön- <br> heiten auch im Kleinen zu entdecken. Ein Auge, das jedes Käferchen be- <br> lauscht, jedem Blümchen einen Gruß zuwinkt uud jedem Steine eine Frage <br> vorlegt, wird in der Natur seiner Heimat einen unerschöpflichen Quell edlen <br> Genusses finden. <br> Erfahrung und Umgang sind die beiden Quellen, aus welchen der <br> größte Teil unseres Wissens fließt. <br> Daraus folgt, daß die Schüler durch planmäßig angelegte und zweck- <br> entsprechend ausgeführte Spaziergänge, die der Lehrer mit seiner ganzen <br> Klasse unternimmt, zu einem freundlichen Umgange mit der Natur ihrer <br> Heimat gewöhnt werden. <br> Von jedem Ausfluge, jedem Spaziergange bringt dann das Kind einen <br> Strauß neuer interessanter Vorstellungen mit nach Hause. „Das ist die <br> Zeit, in der der Mensch vorzugsweise perzipiert, d. h. seine Umgebung <br> wahrnehmend erfaßt und erforscht, die Zeit, da die Heimat seine Seele <br> erfüllt und versorgt mit jenen sinnlichen Anschauungen, jenen Vorstellungs- <br> dementen, welche die Grundlage aller späteren Bildung darstellen." (Lange.) <br> Aus den Ausflügen werden die Naturkörper an dem Orte ihres Vor- <br> kommens aufgesucht, Begriffe, wie Wiese, Wald, Feld inhaltsvoller gemacht <br> und die geographischen Objekte der Heimat mit allen ihren Teilen und <br> Merkmalen aufgefaßt. In den nächsten Unterrichtsstunden werden die ge- <br> wonnenen Anschauungen reproduziert und als bleibende Vorstellungen im <br> Geiste des Kindes festgelegt. <br> Allerdings ist die zweckmäßige Leitung dieser Ausflüge keine leichte <br> Sache. Sie setzt ein feines Taktgefühl, sichere Beobachtung, Kenntnis der <br> EntWickelung des kindlichen Geistes und ein ausgebildetes Lehrgeschick voraus. <br> Erfüllen sich aber diese Voraussetzungen, dann wird der heimatkundliche <br> Unterricht in hervorragender Weise das Wollen beeinflussen und somit zum <br> erziehenden Unterricht werden. Der Unterricht pflegt die Beobachtung, das <br> Nachdenken, den Sinn für das Schöne, das Mitgefühl, den Gemeinsinn und <br> die religiöse Erhebung. Das Kind gehört einer Gemeinschaft an, wo ein <br> Glied das andere heben und tragen soll. „Da gedeihen die Blumen der <br> Freundschaft und treuer Pietät, da vermag am sichersten sich ein sittlicher <br> Charakter zu entwickeln." (Lange.) Der Unterricht erweckt das rechte <br> Interesse und Lust und Freude an der Arbeit. Die Schüler werden durch <br> Selbsttätigkeit zur Selbständigkeit geführt und somit wird das höchste Ziel <br> des Unterrichts erstrebt: Erziehung zur sittlichen Freiheit. <br> Unsere Zöglinge werden weder jetzt noch in ihrem späteren Leben teil- <br> nahmlos oder gar frevelnd an der Schönheit der Natur vorübergehen; sie <br> werden ihre Heimat schätzen und lieben lernen und die Irrlehren jener <br> Heimatlosen, die zielbewußt bemüht sind, das heiligste Gefühl in der Menschen¬ <br> brust, die Heimat liebe, zu ersticken, mit Standhaftigkeit zurückweisen. <br> Robert Wernecke.