Von hervorragendster Wichtigkeit im Traindienst sind die Proviant—
kolonnen, deren es schwere und leichte gibt. Die leichten Proviant⸗
kolonnen können im Notfall schnell an die Truppe herangezogen werden und
werden danach auch meist mit Lebensmittelvorräten beladen, die lange Halt⸗
barkeit versprechen.
Die Feldbäckerei bildet sodann einen wichtigen Zweig des Train—
dienstes. Man führt in den Krieg Feldbacköfen mit, von denen sich Gruppen
zu Feldbäckereikolonnen vereinigen, die in den meisten Armeen so eingerichtet
find, daß sie innerhalb vierundzwanzig Stunden etwa 25 000 Portionen Brot
backen und dadurch den täglichen Brotbedarf eines Armeekorps decken können.
Die Vacköfen können auch während des Marsches in Betrieb bleiben. Man
läßt aber gewöhnlich die Bäckereiabteilung derart befördern, daß sie nur in
größeren Sprüngen sich bewegen und daher mehrere Tage an einem Orte
ihren Betrieb ausüben. Oder es werden nur Teile eines solchen Betriebes in
Marsch gesetzt, während andere an einem Orte weiter Brot herstellen.
Die Trains aller Heere stellen auch die Fahrer für die Kriegsfahrzeuge
der Fußtruppen, also die Bespannung der Munitionswagen, der Wagen, auf
denen das Schanzzeug der Infanterie befördert wird, der Feldküchen und der
Bruckentrains. Auch die großen Bagagen der Truppen unterliegen der Be⸗
förderung durch den Train. Eine große Zahl verschiedener Verbände kommt
in dieser Beziehung in Vetracht — Fuhrparkkolonnen für den Etappendienst,
dann Etappenpferdedepots, Etappensanitätsdepots, Abteilungen für Kriegs—
lazarette, ferner solche für den Krankentransport und die Depots für die Be—
kleidung der Armee. Diese letzteren Trains führen den Truppen die Ersatz—
stücke an Monturen und Ausrüstungsgegenständen zu, weil ja alle diese Stücke
im Kriege wegen Abnutzung und Verlust ununterbrochen ergänzt werden
müssen.
Die Bestimmung und Anordnung der Trainkolonnen gehört zu den
schwierigsten Aufgaben der modernen Kriegführung. Mit der Größe der
Armeen ist auch der Train ins Gewaltige gewachsen, und die kolossalen Massen
von Fuhrwerken müssen richtig geführt und verteilt werden. Eine Truppe, die
von ihren Trainkolonnen entblößt wird, kann den schwersten Gefahren aus—
gesetzt sein, und andererseits darf der Train vor allen Dingen nicht als
störendes Element innerhalb der Operationen sich geltend machen. Es ist
demnach auch unendlich mühevoll, den Train stets dorthin zu bringen, wo man
seiner bedarf, ganz abgesehen davon, daß im Falle des Eintretens unerwarteter
Ereignisse im Kriege die Trainkolonnen die Schwierigkeiten, die sich aus
solchen Möglichkeiten ergeben, noch ungeheuer vermehren können.
Aus „Feierabend“ Gerlin).
—
29. Festungen.
Das Bild einer Festung, wie es vor 50 Jahren war, hat sich in⸗
folge der ungeheuer gesteigerten Waffenwirkung vollkommen geändert.
Von hochragenden Wällen mit freistehenden Geschützen auf dem Wall
und Infanterie auf offener Brustwehr ist kaum mehr die Rede. Der