Volltext: Lesebuch der Erdkunde

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II. Das Deutsche Reich. 
Ferne sichtbar, wie als Wachposten gegen das Flachland zu ihren Füßen stehen: so der 
Sibyllenstein 426 m, Keulberg im Nordosten von Dresden u. s. w. 
Die größten Fabrikstädte liegen am Fuße des Gebirgs auf einer N.-O.-Linie 
durch ganz Sachsen hin: Plauen im Voigtlande, Zwickau, Chemnitz, Freiberg, Dresden, 
Bautzen, sowie im Berglande rückwärts. Hier hat unter der Hoheit der Markgrafen von 
Meißen städtischer Reichtum, ländlicher Wohlstand und mit ausgedehntem Bergban nnd 
Gewerbfleiß zugleich frühzeitige Volksbildung ihre Stätte gefunden. 
Volk und Staat von Sachsen. 
§ 185. Sachsen hängt mehr dem Namen als dem Thatbestand nach mit dem 
Stamm der Sachsen zusammen (§ 195), welche freilich das Meiste thaten, dieses 
Land östlich der Saale den Slaven abzugewinnen. Es entstand hauptsächlich aus 
der M a r k g r a f s ch a f t Meißen, welche 926 gestiftet, 1227 an das Haus 
der sächsischen Grafen von Wettin kam. Diese breiteten ihr Gebiet aus, und 
erhielten, als 1422 Sachsen-Wittenberg, das den Rest des alten Sachsenherzogtums 
besaß, ausstarb, sowohl dieses Gebiet als die Kur, so daß Kursachsen der mäch- 
tigste Kurstaat ward. 
Später, obwohl geschwächt durch die Teilung in die Ernestiuische und Albertinische 
Linie 1485, wurde es unter kräftigen Regenten (Friedrich der Weise von der Ernestini- 
schen Linie) durch die Reformation der Mittelpunkt eines neuen Geisteslebens für 
Deutschland. Aber seit dem dreißigjährigen Kriege nahm es an Bedeutung ab; seine 
Dynastie wurde 1697 um der polnischen Krone willen katholisch, daher der Schutz des 
Protestantisinus an Preußen überging. Ebenso unbeständig war die Gabe Napoleons, 
der den Kurfürsten zum Köuig, wie zum Herzog von Warschau machte. Für seine An- 
hänglichkeit an den Korsen verlor er 1815 sein halbes Land an Preußen. 
Das sächsische Volk, mit so ziemlich hochdeutscher singender Mundart, ist meist 
thüringischer Abkunft, höflich, betriebsam und in Kunst und Wissenschaft ausgezeichnet; 
seine höhere Kultur wird durch viele treffliche Anstalten gefördert. 
Die Einwohner (2 973 000) sind überwiegend protestantisch (73 000 Katholiken, 
7000 Israeliten). Fast die Hälfte der Einwohner sind Städter; Sachsen ist daher 
das städtereichste Gebiet Deutschlands. Landstände bestehen seit 1831. 
Eingeteilt ist das Land in vier Kreisdirektionen (Dresden, Leipzig, Zwickau, 
Bautzen), diese in Amtshauptmannschaften. — Die Einnahmen und Ausgaben be- 
trugen 1881 64 Millionen Mark. (Landesfarben: Grün und Weiß.) 
Dresden, schon eine altwendische Niederlassung bei einer Fähre (trasi), seit 1485 
Hauptstadt der Albertin er, dnrch Natur und Kunst gleich ausgezeichnet, schön gebaute 
Garteustadt in der herrlichen Elbebene, mit ausgezeichneten Kunstsammlungen und Bild- 
nngsanstalten, 221000 E.; für Fremde pou Bildung als das deutsche Florenz einer der 
angenehmsten Aufenthaltsorte iu Deutschland, daher (ähnlich Heidelberg) Sommers gro߬ 
artiger Sammelplatz eines Ungeheuern Zuflusses aus dem Norden. Unweit der Plauensche 
Grund, worin Th araud Forstakademie, und andere schöne Bergthäler. — Meißen, 
>tisni „Schlüssel" (14000 E.), älteste Stadt, am Ausgang der Elbe aus der Felsenge; 
Dom, Fürstenschule, Porzellaufabrik; Weinbau uud viel Obstbau. (Moritzburg.) — 
Leipzig (lipa Linde, Lipzk) 149000 E., in höchst fruchtbarer Ebene, am Znsaminen- 
fluß der Parthe, Pleiße uud weißen Elster, und an einem bedeutenden Straßenknoten 
gelegen; sehr wichtige Handels- und Fabrikstadt, und besonders im Buchhandel der Mit- 
telpunkt alles deutschen literarischen Verkehrs für die ganze Welt; durch drei Messen der 
größte Umsatzort im Binnenlande Deutschlands. Sitz des deutschen Reichsgerichts und 
einer der größten Hochschulen, Schlachtfeld (1813). — Borsdorf, Obstban. Grimma, 
an der Mulde, Fürstenschule; (Hubertsbnrg.) — Mittweida, an der Zschopan, eine 
der ersten unter deu vielen Fabrikstädten an der Freiberger Mulde nnd Zschopau. Frei- 
berg, wichtige Bergstadt mit berühmter Bergakademie nahe an der Mulde, in der Mitte 
des Landes, 25000 E. — Die Fabrikstädte sind besonders in der südwestlichen Ecke des
	        
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