Volltext: Grundriß der Weltgeschichte für Gymnasien und Realschulen

Alexander in Ägypten. Schlacht bei Gaugamela. 
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hatte. Es ist wahr, manchmal dauerten die Gelage ziemlich lange; aber dabei wurde mehr 
gesprochen, als man dem Becher huldigte. In seinen Unternehmungen ließ er sich nicht wie 
andere Feldherren durch Wein, Schlaf oder Spiel aufhalten. Wie hätte er sonst in einem 
so kurzen Leben so Großes vollbringen können? In Zeiten der Muße opferte er gleich nach 
dem Aufstehen den Göttern, nahm sein Frühstück und brachte dann den Tag mit Jagen oder 
Lesen oder Anordnungen und Entscheidungen für den Krieg zu. Auf Märschen, die nicht zu 
sehr beschleunigt waren, übte er sich im Bogenschießen oder auf einem Wagen, im Laufe 
hinauf und wieder herab zu springen. Oft jagte er zur Unterhaltung Füchse und Vögel, wie 
man aus seinen Tagebüchern entnehmen kann. Wurde Halt gemacht und begab er sich ins 
Bad, so fragte er die Obersten der Köche und Bäcker, ob sie für ein anständiges Mahl 
Sorge getragen. Dasselbe wurde erst spät, nach Einbruch der Dunkelheit eingenommen; 
bewunderungswürdig war dabei seine Umsicht, daß keine ungleiche und spärliche Verteilung 
der Speisen stattfand. Im Verkehr zeigte er sich freundlich und liebenswürdig, ließ sich aber 
später zu Übermut und Prahlerei hinreißen. Schmeichlern schenkte er willfährig Gehör. 
Nach der Schlacht bei Jssos sandte er Truppen ab, in Damaskus die Schätze und 
das Gepäck der Perser, ihre Frauen und Kinder wegzunehmen. Am meisten bereicherten sich 
dabei die thessalischen Reiter, die er für ihre ausgezeichneten Dienste in der Schlacht belohnen 
wollte. Doch gewann auch der übrige Teil des Heeres Beute in Fülle. Seit aber die 
Makedonier hier zuerst das Gold und Silber und Leben der Asiaten kennen gelernt, der- 
folgten sie wie Hunde jede Fährte zu persischem Reichtum, auf die sie gekommen waren. 
Alexander beschloß indessen, zuerst sich des Küstenlandes zu bemächtigen. Cypern ihm 
zu übergeben, kamen die Fürsten dieser Insel unaufgefordert zu ihm, ebenso jene von Phöni- 
kien. Nur Tyros mußte er einnehmen. Darauf zog er nach Ägypten, wo er Alexandria 
gründete und das Orakel des Jupiter Ammon in der Wüste besuchte. 
Von Ägypten nach Phönikien zurückgekehrt, veranstaltete er zu Ehren der Götter Opfer 
und Festaufzüge und Wettkämpfe von kyklischen und tragischen Chören, die sich durch Pracht- 
volle Ausstattung auszeichneten. 
Als Dareios ihm in einem Briefe und durch vertraute Gesandte für die Gefangenen 
ein Lösegeld von 10.000 Talenten (24,990.000 fl.), alles Land diesseits des Euphrat und 
eine seiner Töchter zur Ehe für künftige Freundschaft und Bundesgenossenschaft anbot, teilte 
er dies seinen Freunden mit. Als Parmenion sagte: „Ich nähme es an, wenn ich Alexander 
wäre," versetzte er: „Ich auch, wenn ich Parmenion wäre." Dem Perserkönig aber schrieb 
er als Antwort, wenn er zu ihm käme, würde ihm die freundlichste Behandlung zu teil; 
wenn nicht, nun, so sei er bereits auf dem Marsche gegen ihn. 
Nachdem Alexander sich alles Land diesseits des Euphrat unterworfen hatte, brach er 
gegen Dareios auf, der mit einer Million Fußvolk und 40.000 Reitern heranrückte. Die 
große Schlacht wurde aber nicht eigentlich bei Arbela, wie die meisten schreiben, sondern bei 
Gaugamela geliefert. Im Boedromion (ungefähr September) hatte eine Mondsfinsternis 
stattgefunden, um die Zeit des Anfangs der Mysterien zu Athen. In der elften Nacht dar¬ 
auf hatten beide Heere ihr Lager einander gegenüber aufgeschlagen; Dareios hielt die Seinen 
unter den Waffen und besichtigte bei Fackelschein die Reihen. Alexander aber verweilte, 
während die Makedonier ruhten, vor seinem Zelte mit dem Seher Aristandros und opferte 
der Furcht. Da man aber die Ebene zwischen dem Tigris und den Gordyäischen Bergen 
von den Feuern der Feinde erleuchtet sah und dumpfe Stimmen und verworrener Lärm von 
dem Lager wie von einem tief gähnenden Meere herüberhallten, staunten die ältesten seiner 
Waffengenossen und besonders Parmenion über die große Menge der Feinde, und nachdem
	        
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