Portugal!» 41
in ganz Europa, ja selbst Ln Amerika gespüret wur¬
den. Alles was die Imagination sich schauderhaf¬
tes zu denken vermag, war an diesem schrecklichen
Tage mit einander vereinigt» Ein tobendes Meer,
das die größestcn Schiffe von ihren Ankern riß, und
in seinen himmelhohen Wogen zu begraben drohte,
ein mit Wetterwolken bedeckter Himmel, Donner,
Blitz, brausende Stürme, unterrrpdisches Geheul,
Zertrümmerte Pallaste, Kirchen und Hauser, ein
auf den Ruinen seines Wohlstandes, und den Reichen
von 150.00 seiner Mitbürger weinendes Volk —-
wer kann alle die mannichfaltigen Scenen des Ent¬
setzens schildern, die diese fürchterliche Begebenheit
begleiteten? — In großen Unfällen zeigt sich der
Karakter des großen Mannes: Portugallö weiser
Minister war auch jetzt der Beschützer deä Volks,
und selbst seine Feinde müssen bekennen, daß dieser
Tag der schönste seines Lebeny war, Auf sei¬
nen Rath, und seinem Beyspiel zufolge, schrankte
sogar der König seine Tafel ein, um dem Mangel zu
steuern. Es wurden Zelte aufgeschlagen, die Grö߬
ten deö Reichs halfen die Verwundeten verbinden;
sogar die Königinn und die Prinzessmnen glaubten sich
nicht entehrt, wenn sie in eigner ,Person das Elend
ihrer unglücklichen Bürger zu lindern suchten. Auch
auswärtige Machte ließen Portugall nicht ohne Bey-
stand; das englische Parlement, machte ihm ein Ge?
schenk, das auf 100000 Pfund Sterling geschätzt
ward. Diese Unterstützungen, und PombalS uner?
müdeter Eifer stellten endlich die Ruhe einigermaßen
wieder her, als im Jahr 1758 die Verschwörung
wider des Königs beben eine neue Quelle tragischer
Begebenheiten ward. Alles in dieser Begebenheit
ist mit Dunkel und Ungewißheit umhüllet; cs ist so?
gar noch unentschieden, ob die Häuser Aveiro und
Tavorg