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I* wolle er versprechen, in der Sache ganz still zu ftyn;
schwiegen aber seine Gegner nicht, so würde die
Sache erst recht laut werden, er habe sich noch
nicht verschossen.
2« wolle er dem Pabst schreiben, und bekennen, daß er
in seinem Widerspruch zu hitzig gewesen sey, und
wolle in einer Schrift jedermann ermahnen, der
römischen Kirche gehorsam zu seyn.
Hierauf reis'te Luther nach Wittenberg zurück, und
gab wirklich eine kleine Schrift heraus, damit das Volk
nicht denken möchte, er lehne sich gegen die römische
Kirche auf. Auch schrieb er, wie er versprochen hatte,
ein Entschuldigungsschreiben, und schickte es an den
Pabst.
§. 8.
Or. Eck, ein Hcruptgegner Luther's, mit der
päpstlichen Bannbulle.
Wie wohl hatten Luthers Feinde gethan, wenn sie
geschwiegen hatten! aber ihr unbesonnener Eifer vereitelte
alle die guten Folgen, welche die Bemühungen des von
Miltitz hoffen ließen. Or. Eck, Professor" der Gottes¬
gelahrtheit auf der Universität zu Ingolstadt in Bayern,
ein zwar nicht unwissender, aber niedrig denkender, unge¬
stümer Religionseiferer, schrieb gegen Luthern so heftig,,
daß der äußerst reizbare Mann seine Entschließung wieder
änderte, und über seinen Gegner ebenfalls mit großer
Heftigkeit herfuhr. Seinen Muth erhöhete noch der
Umstand, daß der deutsche Kaiser Maximilian I. um
dieselbe Zeit starb (rZry den I2ten Januar). Diese
Veränderung war für Luthern sehr vortheilhaft. Der
Pabst und die Fürsten hatten nun mit der neuen Kaisec-
wahl zu thun, und vergaßen darüber ihn, der unterdrß