Full text: Kurze Geschichte der Reformation für Bürger- und Volksschulen

stenhert gäben, müßten ss angesehen werden, als bcrbs 
sie Christus, ja Gott selbst gegeben. Und gleichwohl 
waren von Zeit zu Zeit dis Päbste arge Schalke und 
Göstwichtec gewesen; sie waren in einen Pfuhl von 
Sünden und Lastern versunken; Religion und Gott 
waren ihnen gleichgültige Dinge, und doch wollten sie 
Christi Stellvertreter hiev auf Erden ftyn. Welcher 
Widerspruch! Die übrige hohe Geistlichkeit, als Bi» 
schösse, Aebt? Prälaten (ein allgemeiner LNel vorneh¬ 
mer Geistlichen) lebte nicht viel besser als ihre obersten 
Herren die P'rbste. Für wahre Religion hatten wenige 
derselben Gefühl, sie war ihnen nur Mittel, ihren 
Ehrgeiz« ihr? Begierden zu befriedigen, und Geld zu 
erpressen^ welches sie theils selbst brauchten, theils den. 
Päbsten schaffen wüßten. Aus dem Reichthum und 
Ansehn, worin sie überall lebten, entstand bei ihnen 
ein unleid-icker Stolz, der die nndern Stände verach¬ 
tete, und da sie die Leute bis aufs Blut aussogen, 
weil sie ihre Pfründen (geistlichen Aemter) dem Pabste 
theuer bezahlen mußten, so machten sie sich bri allen 
Verständigen verhaßt. Die niedere Geistlichkeit war 
auch nicht besser, und konnte es nicht sepn. Es herrsch¬ 
ten unter ihr noch viel andere Gebrechen. Dummheit, 
Aberglaube, Verfolgungsgeist, Unverschämtheit, Nieder¬ 
trächtigkeit, Geiz, waren mehr oder weniger bei ihr 
zu Hause, und daraus kann man urtheilen, wie es 
um die Sitten der übrigen Christen, die «icht Geist¬ 
liche waren, ausgrsehen habe. Vorzüglich zwei Män¬ 
gel entehrten die damalige Christenheit. Zum ersten 
eine große Unwissenheit in Absicht auf Gott und Reli¬ 
gion. Der gemeine Mann schmachtete im rohesten 
Aberglauben, -r lag besangen in sinnlosen Rcligions-e- 
bräüchen; das Wort des Priester- galt ihm kür die 
Stimm? Gottes, Dieser Zustand wurde von der Geist¬
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.