14. Sie schnitten den Kopf von dem Rumpf ihm ab.
Und legten den Leib in ein schlechtes Grab;
Da liegt er nun bis an den jüngsten Tag,
Wo Gott ihn in Freuden erwecken mag.
15. Da schläft nun der fromme, der tapfre Held,
Ihm ward kein Stein zum Gedächtniß gestellt;
Doch hat er gleich keinen Ehrenstein,
Sein Name wird nimmer vergessen sein.
16. Denn sattelt ein Reiter sein schnelles Pferd,
Und schwinget ein Reiter sein blankes Schwert
So rufet er zornig: Herr Schill! Herr Schill!
Ich an den Franzosen euch rächen will.
E. M. Arndt (geb. 1769, gest. 1860).
80. Sandwirth Hofer.
1. Zu Mantua in Banden
Der treue Hofer y,ar,
In Mantua zu Tode
Führt ihn der Feinde Schaar.
Es blutete der Brüder Herz;
Ganz Deutschland, ach! tu Schmach
und Schmerz,
Mit ihm das Land Tyrol.
2. Die Hände auf dem Rücken
Der Sandwirth Hofer ging,
Mit ruhig festen Schritten,
Ihm schien der Tod gering,
Der Tod, den er so manchesmal
Vom Fselberg geschickt in's Thal
Im herl'gen Land Tyrol.
3. Doch als aus Kerkergitteru
Im festen Mantua
Die treuen Waffenbrüder
Die Händ' er strecken sah,
Da rief er laut-. Gott sei mit euch,
Mit dem verrath'nen deutschen Reich
Und mit dem Land Tyrol!
j 4. Dem Tambour will der Wirbel,
j Nicht unter'm Schlägel vor,
I Als nun der Sandwirth Hofer
i Schritt durch das finstre Thor
Der Sandwirth, noch in Banden frei,
Dort stand er fest auf der Bastei,
Der Mann vom Land Tyrol.
5. Dort soll er niederknieen:
Er sprach: das thu' ich nit!
Will sterben, wie ich stehe,
Will sterben, wie ich stritt,
So wie ich steh aus dieser Schanz:
Es leb' mein guter Kaiser Franz,
Mit ihm das Hand Tyrol!
6. Und von der Hand die Binde
Nimmt ihm der Corporal,
Und Sandwirth Hofer betet
Allhier zum letzten Mal;
Dann ruft er: nun so trefft mich recht!
Gebt Feuer! — Ach, wie schießt ihr
schlecht!
Ade, mein Land Tyrol!
Mosen (geb. 1803).
Im Jahre 1809 hatte das treue Bergland Tyrol unter Andreas Hofer für das angestammte Kaiser¬
haus die Waffen ergriffen und die Franzosen und Bayern aus dem Lande vertrieben. Nach dem er¬
zwungenen Frieden mit Uebermacht von allen Seiten angefallen, mußten die braven Tyroler bald jeden
weitern Widerstand in ihren Bergen aufgeben. Hofer wurde flüchtig und verbarg sich in einer einsamen
Alpenhütte am Passeyer unter Schnee und Eis zwei Monate lang vor seinen Verfolgern. Endlich ward
er, von einem Priester verratben, gefangen genommen und zum Tode geführt. Zu Mantua wurde er
am 20. Februar 1810 erschossen. Das Gedicht schildert den Todcsgang und die letzten Augenblicke des
Helden. Die fromme Ruhe, mit der er. der kindlich gute Man», Alles, was ihm in seinen letzten Le¬
benslagen von seinen Feinden Uebels geschah, nur als eine Strafe für seine versönlichen Sünden ansah,
machten solchen Eindruck, daß Manche seinen Tod wie den eines Heiligen betrachteten.
i!
81. Das Lied
1. Wo zu des Rheines heil'gen Wogen £
Die Lahn in bunten Ufern rauscht,
Da ist ein Adler aufgeflogen,
Der früh dem Sphärenklang gelauscht,
Der frühe in deÄ Lichtes Wonne
Die. junge Seele eingetaucht,
Den früh der goldne Reiz der Sonne
Mit stolzer Sehnsucht angehaucht.
vom Stein.
!. Da saß er in dem Felsenneste,
Das seine Väter einst gebaut,
Da klang ihm auf der hohen Feste
Der grauen Vorzeit Wunderlaut;
rivi ! wie dem Jüngling von dem Klingen
Die Brust erschwöll im süßen Wahn!
Hei! wie er oft geregt die Schwingen,
Als mäß' er schon die Sonnenbahn!