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Bonaparte gerade die FriedenSzeit recht zu neuen Bedrückungen
seiner schwachern Nachbarn zu benutzen pflegte.
Zunächst wandte er den Frieden dazu an, sich in Frank¬
reich mächtiger zu machen. Seine Freunde mußten von seinen
großen Verdiensten um das Vaterland vieles Gerede machen,
und endlich rückten sie mit dem Vorschläge heraus, ihm das
Consulat auf Lebenszeit anzutragcn. Aber über eine
solche Hauptveranderung mußte erst das Volk befragt werden,
und dabei wurde mit rechter Arglist verfahren. In allen Ge¬
meinden wurden Listen eröffnet, worein Jeder seine Stimme
schreiben konnte. Wer gar nicht stimmte, dessen Stimme wurd"
für bejahend angenommen. Seine Freunde sorgten nun dafür,
daß recht viele bejahende Stimmen zusammcnkamen. Manche
schrieben ihre Stimmen in mehrere Listen nieder, und die,
welche unzufrieden mit der Neuerung waren, stimmten lieber
gar nicht, um sich nicht erst Unannehmlichkeiten zu machen.
Die Folge davon war, daß fast alle eingegangene Stimmen be¬
jahend aussielen. Als der Senat nun Bonaparte feierlich den
Beschluß mittheilte, that dieser, als wenn es ihm ein rechtes
Opfer kostete, die neue Ehre anzunehmen. „Das Leben eines
Bürgers," sagte er, „gehört dem Vaterlande; das Volk will,
daß das meinige ihm ganz und gar geweiht seyn solle; ich ge¬
horche seinem Willen." Der Heuchler! Uebrigens ist nicht zu
leugnen, daß er manche recht gute Einrichtungen machte. So
ertheilte er den Ausgewanderten eine Amnestie (Vergessenheit des
Vergangenen), errichtete den Orden der Ehrenlegion, den Alle
erhalten sollten, die sich um das Vaterland verdient machten,
setzte Summen zu Verbesserung der Landstraßen und zu Anle¬
gung von Canälen aus, u. s. w.
114. Neue Schritte Bonaparte's zur unum¬
schränkten Herrschaft.
Wie eigenmächtig Bonaparte zu verfahren Willens sey, zeigte
er unter Anderm dadurch, daß er ohne Weiteres das Herzogthum
Piemont, das Hauptland des Königs von Sardinien, eines ihm
ganz unschädlichen Mannes, mit Frankreich vereinigte, und den
unschuldigen König auf die Insel Sardinien einschränkte. Ueber-
haupt hielt er Alles zu thun für erlaubt, wozu er die Macht