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§151. Das Drama. Die volkstümliche Posse.
vorüber war. Der römische Geist, welcher, wie der italische über¬
haupt, zu "W itz und Spott neigt und die Gabe feiner Beobachtung
und der Improvisation besitzt, schuf dagegen zuerst das Drama.
Überdies bot das römische Yolksleben mancherlei Anlässe zur
Aufführung komischer Darstellungen, und Einfälle wurden leicht
weiter ausgesponnen und bei festlichen Gelagen zum Besten ge¬
geben, wobei die Improvisation das Ihrige that. So machten die
volkstümlichen Spiele im Drama den Anfang: man tanzte in Ver¬
kleidung (Maskierung) zum Flötenspiel oder führte AVechselgesänge
und Tänze unter Musikbegleitung auf, und die Anfänge des Lust¬
spiels waren gegeben. Natürlich ist dies noch kein bühnen¬
gerechtes oder Kunstdrama. Es entwickelten sich bei den Rö¬
mern verschiedene solche Yolkspossen, die wir als die Vorstufen
zum eigentlichen Drama ansehen müssen.
1. Die Fescenninen (Fescennini sc. versus), benannt nach der
etruskischen Stadt Fescennia (ffor. ep. II, 1, 139 ff.). Es waren
dies Knittelverse mit allerlei Spott und Neckereien und derben An¬
spielungen : namentlich bei Hochzeitsfeierlichkeiten wurden solche
Spässe gesungen, abwechselnd mit Tanz und Musik.
2. Die Satura (sc. lanx, d. i. eine Schüssel mit buntem Aller¬
lei) entspricht der Wortbedeutung nach unserem Potpourri, be¬
stand aber im A ortrage von lose zusammenhängenden Textgedichten
oder Erzählungen unter Gesang, Musik und Gebärdenspiel (Mimen),
worin namentlich komische Scenen vorgeführt wurden.
Seit 264 v. Chr. werden solche Stücke von gewerbsmäfsigen etruskischen
Bänkelsängern und Komödianten (hisirio) gegeben. Als man später bühnen¬
gerechte Stücke aufführte, wurde die Satura als heiteres Nachspiel (exodium)
zum Schlüsse eines ernsten Stückes gegeben, wie in Athen das Satyrdrama
nach der Tragödie.
3. Die Atellanen (Atellana sc. fabula, auch ludi Osci, nach
der oskischen Stadt Atella in Kampanien genannt) sind wie die
Satura den Fescenninen nahe verwandt und kamen 210 v. Chr.
nach Rom. Ursprünglich ein improvisiertes Possenspiel, um den
spiefsbürgerlichen Charakter der Bürger von Atella, einer Art
Abderiten oder Schildbürger, zu persiflieren, und von jungen Rö¬
mern aufser dem Theater aufgeführt, entwickelten sie sich zur
Charakterkomödie und wurden jetzt von Schauspielern gegeben. Sie
sind gekennzeichnet dadurch, dafs gewisse Rollen in ihnen stehend
Vorkommen; so der Maccus, Figur des Harlekin, der Bucco, der
grofsmaulige Schmarotzer, der Pappus, Figur des betrogenen Al¬
ten, und der Dossenus, der pfiffige Beutelschneider. Die Charak-