74
Die Kreuzzüge.
oder die heiligen Kriege. Fast allen Bewohnern Europa'-
wurde es damals zur Pflicht gemacht, an diesem Kriege
Theil zu nehmen, entweder selbst initzuziehen, oder zu den
Kosten beizusteuern. Die Kriegs wurden mit einem
Kreuze bezeichnet. — Besonders thaten fich die Fran,
zosen (damals noch gewöhnlich Franken genannt) und
die Deutschen bei diesen Unternehmungen hervor. ES
zogen in dem Zeiträume von 1096 bis 1291 verschiedene
zahlreiche Heerhaufen aus Europa nach Palästina, um mit
den Türken und Arabern zu kämpfen. Gottfried von
Bouillon, Herzog von Nieder-Lolhringen, eroberte auch
tm Jahre 1099 Jerusalem nebst dem größten Theil des
Landes und wurde selbst von seinem Heere zum Könige
von Jerusalem ausgerufen- Aber diese« christliche Kö-
nigreich stand nur 88 Jahre. Die Kreuzfahrer waren ge,
wöhnlich unter sich selbst uneinig und ihnen wurden auch
oft von den griechischkonftantinopolitanischen Kaisern au«
Mißtrauen Hindernisse in den Weg gelegt. Ueberdieß
führten die Deutschen und Franken gleichfalls ihre Lehns-
Verfassung in Palästina ein. Sie thcilten das Land in
Grafschaften und Fürstenlhümer, deren Regenten sich bald
mit einander entzweieten und auch den Königen von Jeru¬
salem nicht immer gehörig Folge leisteten. Nachdem auffer
Gottfried von Bouillon noch andre 8 Könige nach einan,
der zu Jerusalem geherrscht«hatten, wurde der letzte, Gui¬
do von Lusignan, (I. C. 1187) von Saladin (Sa,
lah-Eddin) Sultan der Türken in Aegypten, vertriebe»
und Palästina fiel von neuem unter die Bothmäßigkeil der
Türken, unter welcher es auch noch bis jetzt stehet.