Full text: Allgemeine Weltgeschichte für die Jugend

123 
r ' 
Se6)ster Zeitraum. 
vernünftige Freiheit: das sind die Blumen im Kran¬ 
ze ihrer Tugenden, durch welche sie ehrwürdig wurden. 
Nur das Volk selbst konnte sein Glück vernichten und 
leider geschah es. Innere Eifersucht und Sittenver- 
derbniß erschütterten die Grundfesten des Gebäudes, 
die Verfassung und die Kraft des Staates. So war es 
mit den Griechen, so war es vorzugsweise mit den 
Römern. Diese letzter« waren in ihrer Vaterlandsliebe, 
in ihrer Freiheit groß; sobald es aber nicht mehr mög¬ 
lich war, Rom als Freistaat bestehen zu sehen, so war 
es auch dem Untergange nahe. An die Stelle der Va¬ 
terlands-und Freiheitsliebe trat nun ein knechtischer 
kriechender Sinn, der durchaus keiner großen That 
mehr fähig ist, und wol noch Gefallen am kriegerischen 
Gepränge und Schein, aber nicht an wirklicher Hoheit 
finden konnte. 
Wie weit die Verschwendung in der letzten Zeit 
ging, könnet ihr daraus schließen, daß in Rom ein 
einziges Abendbrod, welches Lucull dem Cicero und 
Pompejus gab, 10,000 Thaler kostete, und doch war 
er nicht einmal darauf vorbereitet. In den Hausern 
wohlhabender Bürger war auch das gemeinste Küchen- 
gerath von Silber; die Damen hatten Ohren, Hals 
und Arme voll kostbarer Steine und Perlen. In der 
letzten Zeit stieg dieses Hinwegwerfen des Geldes für 
solche Entbehrlichkeiten bis zum Unsinn. Dazu schwelg¬ 
te man im Genüsse von Speisen und Getränken. An¬ 
tonius war oft noch am Morgen betrunken, und trieb 
diese Unmäßigkeit so weit, daß er sich einmal bespie, als 
er Gericht hielt. Doch begingen glücklicherweise nur 
die Großen am tollsten jene Ausschweifungen; sie war¬ 
fen das Geld auf die liederlichste Weise hinaus, weil 
ihnen
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.