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Se6)ster Zeitraum.
vernünftige Freiheit: das sind die Blumen im Kran¬
ze ihrer Tugenden, durch welche sie ehrwürdig wurden.
Nur das Volk selbst konnte sein Glück vernichten und
leider geschah es. Innere Eifersucht und Sittenver-
derbniß erschütterten die Grundfesten des Gebäudes,
die Verfassung und die Kraft des Staates. So war es
mit den Griechen, so war es vorzugsweise mit den
Römern. Diese letzter« waren in ihrer Vaterlandsliebe,
in ihrer Freiheit groß; sobald es aber nicht mehr mög¬
lich war, Rom als Freistaat bestehen zu sehen, so war
es auch dem Untergange nahe. An die Stelle der Va¬
terlands-und Freiheitsliebe trat nun ein knechtischer
kriechender Sinn, der durchaus keiner großen That
mehr fähig ist, und wol noch Gefallen am kriegerischen
Gepränge und Schein, aber nicht an wirklicher Hoheit
finden konnte.
Wie weit die Verschwendung in der letzten Zeit
ging, könnet ihr daraus schließen, daß in Rom ein
einziges Abendbrod, welches Lucull dem Cicero und
Pompejus gab, 10,000 Thaler kostete, und doch war
er nicht einmal darauf vorbereitet. In den Hausern
wohlhabender Bürger war auch das gemeinste Küchen-
gerath von Silber; die Damen hatten Ohren, Hals
und Arme voll kostbarer Steine und Perlen. In der
letzten Zeit stieg dieses Hinwegwerfen des Geldes für
solche Entbehrlichkeiten bis zum Unsinn. Dazu schwelg¬
te man im Genüsse von Speisen und Getränken. An¬
tonius war oft noch am Morgen betrunken, und trieb
diese Unmäßigkeit so weit, daß er sich einmal bespie, als
er Gericht hielt. Doch begingen glücklicherweise nur
die Großen am tollsten jene Ausschweifungen; sie war¬
fen das Geld auf die liederlichste Weise hinaus, weil
ihnen