Volltext: Lehrbuch der Geographie zum Gebrauche für Schüler höherer Lehranstalten

Australien. 
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erklären, heißt hier, wie auf den meisten Inseln Australiens, sie mit dem Tabu 
belegen, und sie ist dann Tabu. Das Menschenfressen hat ausgehört. Die 50.000 
Neuseeländer sind ein intelligentes Volk, welches sehr leicht lernt und fast durch¬ 
weg zum Christenthum bekehrt ist, überwiegend zur protestantischen Kirche gehö¬ 
rend. Sie stehen mit den Europäern im Kriege, denen sie die ihnen gehörende 
Insel nicht gutwillig einräumen wollen, und werden wohl ihrer gänzlichen Aus¬ 
rottung entgegengehen. 
Auf der N.-Insel an der schmälsten Stelle die Hauptstadt Aukland, 8000 
Einw., die Residenz des englischen Gouverneurs, wo sich die gesetzgebende Ver¬ 
sammlung der Abgeordneten versammelt. Auf derselben Insel an der Cooksstraße 
Wellington, 4200 E. 
§ 173. Die Marianen oder Ladronen oder Diebs-Inseln, ihrer 17, seit 
1668 eine spanische Colonie, sind vulkanische, gebirgige Inseln und haben frucht¬ 
baren Boden, daher eine schöne Vegetation. Die Orangen sind hier verwildert. 
Urbewohner, welche Malayen waren, sind nicht mehr vorhanden; die jetzigen, 
6.000, sind theils Spanier, theils Urbewohner von Manila und Mischlinge, die in 
Städten und Dörfern wohnen. Katholiken sind und allerlei Handwerke treiben. — 
Die Hauptinsel Guajan, 6% UM., ist hoch, besteht aus Lava und hat 2 Kra¬ 
ter; sie ist stark bewaldet, mit üppiger Vegetation und reich an Hirschen. Tinian, 
2 □M., eine ganz verwilderte Insel, dient als Verbannungsort. 
Die Carolinen bilden einen Archipel von 400 M. Ausdehnung. Sie beste¬ 
hen aus den Palaos oder West-Carolinen, zu denen die Peliu- (englisch Pelew) 
Inseln gehören; den Central-Carolinen oder neuen Philippinen; den Ost-Caro¬ 
linen oder Marsch alls-Jnse ln oder den Ratak- und R ali k-Jnseln; und 
aus dem Gilberts - und Kingsmill-Archipel. Man faßt die letzten beiden 
Gruppen auch unter dem Namen Lord-Mulgrav e-Archipel zusammen, und 
sämmtliche als eine besondere ethnographische Abtheilung Polynesiens unter dein 
Namen Micronesia. Di^ Spanier führen alle diese Inseln und Inselgruppen 
als spanisches Besitzthum auf. Die meisten derselben sind niedrige Korallen-In¬ 
seln, einige aber erheben sich bis 3000 F.; im Innern sind sie mit undurchdring¬ 
lichen Wäldern bedeckt. Bewohnt sind sie von 86.000 großen, starken, nußbrau¬ 
nen bis dunkelkupferrothen Menschen, welche mit den Dayaks auf Borneo verwandt 
zu sein scheinen. Dieselben sind nicht kriegerisch, aber geborene Schwimmer. — 
Die östlichste Insel ist Ualan, mit 700 Bew. 
Auch die südlicheren sind niedrige Inseln und haben eine üppige, aber nicht 
mannigfaltige Vegetation; der Pandanus wächst auf dem dürrsten Strande der¬ 
selben. Die Bewohner sind groß, kräftig, mit langem, schwarzem Haar, im süd¬ 
lichen Theile kupferroth und besonders schön, freundlich, harmlos, munter und 
sinnreich. Das Tättowiren ist allgemeine Sitte. 
§ 174. Von unendlicher Wichtigkeit sind die Leistungen der Missionäre aus 
den folgenden Inseln, obwohl die Bemühungen derselben erst 1815 aufingen mit 
Erfolg gekrönt zu werdeu. Durch sie haben fast durchweg die Menschenopfer, die 
Menschenfresserei, Mord und Diebstahl, der sklavische Zustand der Weiber und der 
Müßiggang ausgehört. Viele tausend Exemplare der Bibel in den meisten Spra¬ 
chen der Südsee-Jnsulaner sind verbreitet, ebenso Schul- und Lehrbücher in den¬ 
selben Sprachen, zum großen Theile von den Insulanern gesetzt und gedruckt; 
Elementarschulen gibt es überall, und auf vielen Inseln ist die Bekehrung allein 
durch Eingeborene bewirkt, die dabei keine Todesgefahr scheuten. So ist eine ans 
Wunderbare grenzende Umgestaltung der Menschen hier durch das Christenthum 
bewirkt worden. 
§ 175. Die Fidschi- oder Viti-Jnseln, 378 □M., sind fruchtbar, gut 
bewässert und reich an Sandelholz. Die größten sind Viti-Levu, 210% □'Di., 
und V anua-Levu, 117 □M. Die 200.000 Bewohner, zwischen den Papuas 
und Austral-Indiern stehend, fertigen gestreifte Zeuge, gestickte Matten und Thon-
	        
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