39 í
Die 3 letzten Jahrhunderte ober die neue Zeit.
. riß ihm den Rachen auf, und griff nach seiner Zunge, was sich das königliche \>^C\ .
Thier wie ein Lamm Alles geduldig gefallen ließ. Im Lande ob der Ens kroch
er einem Bären in die Höhle nach und erlegte ihn. Im Schlachtgcwühle war
er stets unter den Vordersten. Sein häusliches Leben war sehr einfach; seine
Tafelsehr mäßig; nie sah man ihn berauscht. Sein Beispiel veranlaßte, daß
der Adel seiner Erbländer eine Verbrüderung gegen das unmäßige Trinken
und Fluchen errichtete. Auf fremdes Lob war er nicht neidisch, und einen
Tadel ertrug er gelassen. Als man ihm den König von Frankreich anrühmte,
daß derselbe bei seinen Unterthanenden unbedingtesten Grhorsamfände, wäh¬
rend der deutsche Kaiser immerdar mit der Widerspänftigkeitder Reichsstände
zu kämpfen habe, erwiderte er: „Der König von Frankreich ist ei» König der
Esel, welche tragen, was er ihnen auflegt; ich aber bin ein König der
Könige, welche gehorchen, wenn cs ihnen gefällt." Ueber Schmähschriften,
in denen man auch ihn zu kränken suchte, äußerte er: „Dergleichen Schmach»
lieber sind eben so schnell wieder vergessen, als sie aufkommen; keines
dauert so lange, wie das Lied: Christ ist erstanden, welches nun
schon 1500 Jahre gesungen wird. Als ein Höfling, um Marens For¬
schungen über das Alter des Hauses Oestreich lächerlich zu machen, die Reime
an die Wand zeichnete: „Da Adam hackt' und Eva spann, wer war denn da
ein Edelmann?" schrieb er gelassen darunter: „Ich bin ein Mann wie ein
ander Mann, nur daß mir Gott die Ehre gann." Selbst seine Feinde konnten
ihm die Achtung nicht versagen, die er verdiente. Als ein Höfling zu König
Ludwig Xl von Frankreichden Kaiser Mar spöttisch einen „Bürgermeister von
Augsburg" nannte, sprach Ludwig, der sonst ein erbitterter Feind von Mar
war: „Thor, du sollst nicht im Schimpfe von Mar reden! Wisse, wenn
dieser Bürgermeister die Glocke anziehen läßt, so kommt ganz Deutschland in
Harnisch, und Frankreich fängt an zu zittern." — Mar war selbst Dichter;
er sagte einem Schreiber den wunderbaren Gang seines Lebens in die Feder;
das Buch führt den Titel: Weiskunig, eine Erzählung von den Thaten Kai¬
sers Mar l. Er starb im 60. I. zu Wels in Oberöftreich. In Wienerneustadt
ist er begraben. Ferdinand l setzte ihm in Jnsbruck, wo er gern verweilte,
ein schönes Denkmahl. Marens Gemahlin war Maria von Burgund.
4. Die 3 letzten Jahrhunderte oder die neue Zeit.
1. Marens Nachfolger war nach einem kurzen Zwischenräume
sein Enkel Karl V. Marens Sohn Philipp, Erzherzog von
Oestreich, war mit Johanna, der Tochter Ferdinands und Jsa-
bellens von Spanien vermählt, und erhielt von ihr 2 Söhne
Karl (V) und Ferdinand (1); ja er hatte die Aussicht, ganz
Spanien zu erben, da Ferdinand von Isabellen keinen Sohn
hatte. Karl ist zu Gent 1500 geboren, und ward daselbst er¬
zogen. Nach dem Tode seines Großvaters Ferdinand nahm Karl
1516 den Titel eines Königs von Spanien an. 1519 ward er zum