Full text: Der deutsche Kinderfreund

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und der heiligen Schrift. 
doch nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe!" 
Mir bewundernswürdiger Seelenstärke gehr er dünn der 
Schaar entgegen, die von Judas geführt, ihn in der 
Milternachtssiunde gefangen nehmen soll, und tritt un 
erschrocken, mir der Würde der Unschuld und Frömmig¬ 
keit, vor den hohen Rath, wo erkaufte Zeugen gegen ihn 
auftreten, und ihn der Gotteslästerung beschuldigen. Er 
vertheidigt sich nicht, erklärte aber freimüthig, daß er 
der Sohn Gottes sey, und ertragt grausame Mißhand¬ 
lungen, dir man sich schaamlvs gegen ihn erlaubt, mit 
edelmüthiger Gelassenheit. Als der Tag anbricht, führt 
man ihn vor den römischen Statthalter Pontius Pilatus, 
klagt ihn der Empörung, an, und fordert seine Hinrich¬ 
tung. Pilatus, obgleich von der Unschuld Jesu über¬ 
zeugt, har doch nicht den Muth, seine Macht zu gebrau¬ 
chen, um den unschuldig Angeklagten zu retten; sondern 
nachdem er einige Versuche gemacht har, das aufgewie¬ 
gelte Volk zu besänftigen, begnügt er sich, öffentlich zu 
erklären, er wolle keinen Theil haben au der Hinrichtung 
dieses Gerechten, willigte aber zugleich in die Kreuzigung 
Jesu. (Job. ig, i —16. Luc. 23, 14 — 25. Maul). 
27, 24 — 3t.) Schrecklich gemißhandelt von den rohen 
Soldaten, denen er nun übergeben wird, begleitet von 
einem zahllosen Volkshaufen, der kein Erbarmen fühlt, 
nur von einigen gefühlvollen Frauen beweint (Luc. 23, 
27 — 3t.),> geht Jesus mit festem Muthe dem Tode ent¬ 
gegen, und stirbt auf Golgatha den ^ Tod der Missethä¬ 
ter, obgleich Niemand ihn einer Sünde zeihen konnte. 
Unter den frechen Verspottungen der Schriftgclchrtcn u»>d 
Aeltesten betet er: Varcr vcrgieb ihnen; sie wissen nicht, 
was sie thun; sammelt dann seine letzten Kräfte zur Trd- 
stnug seiner Mutter, die er dem Johannes übergiebt, mit 
den Worten: siche, das ist deine Mutter! und spricht 
sterbend: Vater, ich befehle meinen Geist in deine Hände! 
An seinem Kreuze wird ihm das Zeugniß zu Theil: 
wahrlich, dieser ist ein frommer Mann, und Gottes 
Sohn gewesen! und im Tode wird er von der dankba¬ 
ren Liebe des Josephs von Arimathia geehrt, der den 
Leichnam in ein neues Grab legen laßt. Hier ruht der 
Gekreuzigte, nach seiner Vorhersagung, nur bis zum 
Morgen des dritten Tages; daun wird er von Gort 
verherrlicht durch die Auferstehung. Noch 40 Tage hin;
	        
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