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Cubikfuß Gas eingenommen (wenn die Sonne den Ballon bescheint, so dehnen sich
1000 Cubikfuß Gas auf 1200 Cubikfuß aus), und nun konnte er, ohne sein Gewicht
mit Gondel rc. 340 Pfund und ohne den nöthigen Ballast von zwölf mit feuchtem
Sande gefüllten Sacken, zusammen 14OPfund schwer, einen Anker4OPsd. nebst Tau,
noch 3—4 Menschen tragen. Als der Ballon sich zu füllen begann, wurden ringsum
schwere Eisengewichte mittelst Taue mit Haken zur Festhaltung desselben benutzt
und beim Aufsteigen einzeln wieder ausgehakt. — Als der Ballon gefüllt war, wur¬
den die am Tragreifen befindlichen Taue einzeln untersucht, das Ankertau am Trag¬
reifen befestigt und ein 500 Fuß langes, fingerdickes Seil dazu gelegt, um im Augenblicke
des Herunter- und Aussteigens den in der Nahe befindlichen Menschen zugeworfen
zu werden. Ein Fallschirm mit einer Katze wurde in das Netz des Ballons gelegt,
ein Barometer, Thermometer, Kompaß, zwei Karten der Umgegend mitgenommen
und um 4 Uhr die Luftfahrt begonnen.
Der Ballon erhob sich allmälig unter dem Schall der Musik. Das Jubelge¬
schrei von tausend und abertausend Stimmen brauste an die Gondel. Eine leise
Drehung um die Are ließ uns den Schauplatz in der ganzen Runde übersehen. Der
Blick auf die Menschenmasse unter uns mit den runden Gesichtern gen Himmel, die
erhobenen Arme, die flatternden Tücher — wer fandeWorte, dies Schauspiel genügend
zu beschreiben! Schnell aber ging der Ballon in die Höhe, und der Blick gewann
mehr und mehr die Vogel-Perspective. Wir sahen in die Straßen, ja in die Höfe
der Stadt, obwohl das Fahrzeug sich mehr und mehr von Leipzig entfernte.
War ich bisher nicht ohne Spannung gewesen, so trat nun Ruhe ein. Ein
Blick auf den Globus über mir, und dann auf das feste Tauwerk des Schiffchens
und besonders die Haltung meines Fährmannes, ließ das Gefühl der Aengstlichkeit
durchaus nicht erwachen. Ich gewann bleibend das Bewußtsein, die Fahrt müsse
so gefahrlos sich gestalten, als ich, nach Prüfung von Schiff und Geschirr, von An¬
fang an sie mir vorgestellt hatte. Wir saßen in unserer Gondel so bequem wie in
einem Lehnstuhle. Kein ungleicher Zug wie im Segelboote, kein Zittern des Kor¬
bes, wie im Dampfschiff von den Maschinen: man empfand nicht die mindeste
Schwankung. Die einzige fühlbare Bewegung erfolgte beim Aufstehen einer Per¬
son oder beim Ueberbeugen über den Rand der Gondel. Die Umsicht wurde indeß
immer weiter. Unter uns glichen sich die Unebenheiten des Bodens aus. Das Unge¬
wohnte eines Blickes aus senkrechter Höhe erschwerte anfangs die Orientirung.
Alle Gegenstände waren stark verkürzt oder boten gar statt ihrer Seiten nur die
Oberfläche dar, so daß die Gebäude als Würfel, die Fluren als Rhomben, die be¬
kannten Merkmale verwischt erschienen. Doch gab Leipzig den sichersten Anhalte¬
punkt. Ich entfaltete die Karte der'Umgegend. Leipzig lag im Hautrelief recht
nett und reinlich dahinter. Die bekannten Gemeinden von Markranstädt bis Taucha,
von Liebertwolkwitz bis Lützschena waren rings um die Stadt in den grünen und
braunen Aeckern vertheilt. Das Verhältniß der Größe der Dörfer gegen die Stadt
ließ sich aus der Höhe trefflich wahrnehmen. Ein kleines Dächerfleckchen hier, ein
kleines dort, in der Mitte aber die weitverzweigte Häusermasse. Alles Wasser blitzte
wie ein Spiegel, und die Teiche in der Nähe und Ferne schmückten die grüne Erde
wie silberne Flinker. Ueber alle Beschreibung schön war der Anblick des Rojen-
thales. Die alten Eichen breiteten ihre Wipfelmassen wie Moos auf der Haide aus.
Zwischendurch schlängelte sich der Fluß mit seinen Armen und Aesten, eine schmale
Borte, aber ohne Unterbrechung von Zwenkau bis Schkeuditz sichtbar.
Wir zogen etwa 2000 Fuß hoch über Gohlis hin. Das Thürmchen des
Schlosses duckte so klein und doch so scharf begrenzt im Wiesengrün. Ich erin¬
nerte jetzt Herrn Green an die Katze, der Fallschirm hing zur Seite am Bindfaden
in einer Masche des Netzes, mein Begleiter zog die Schleife, der Fallschirm sank, im