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Wichtigkeit
der israeliti¬
schen Ge¬
schichte.
Lnsichtcn von
der Glaub¬
würdigkeit
der israeliti¬
schen Schrif¬
ten.
und zu Wasser geschlagen und gänzlich vernichtet worden sein. Die
sicilischen Griechen behaupteten, der Sieg sei von ihnen an demselben
Tage gewonnen worden, an welchem die Perser bei Salamis besiegt
worden wären. In den folgenden 70 Jahren unternahmen die
Karthager nichts gegen Sicilien, nach Justin waren sie durch Kriege
in Afrika beschäftigt. Erst zur Zeit des pelvponnesischen Krieges
machten sie von neuem den Versuch, sich Sicilien zu unterwerfen.
Die folgenden Kriege der Karthager werden später theils in der
Geschichte von Sicilien, theils in der römischen Geschichte erzählt
werden.
Die Israeliten.
Die Israeliten sind ein sehr wichtiges Volk, theils wegen der
höchst ausgezeichneten Eigenthümlichkeit, welche dieses Volk gleich
beim Eintritt in die Geschichte entwickelt und bis auf diesen Tag
bewahrt hat, theils wegen des unter den Königen David und Sa¬
lomo ans das westliche Asien ausgeübten Einflusses, theils weil die
Geschichte und Literatur der Israeliten durch das unter diesen ent¬
standene Christenthum eine große Wichtigkeit für alle Völker erhal¬
ten haben. Auch sind die israelitischen Schriften zum Theil die
ältesten Geschichtswerke.
Während früher alle Schriften des alten Testamentes als un¬
ter dem unmittelbaren Einflüsse des göttlichen Geistes geschrieben
angesehen wurden, trat im achtzehnten Jahrhundert die Ansicht her¬
vor, daß die sämmtlichen historischen Schriften des alten Testamen¬
tes erst in Zeiten geschrieben wären, wo das jüdische Volk und
Reich schon ihrem Untergänge nahe gewesen wären, und zwar im
Interesse einer verderbten und selbstsüchtigen Hierarchie. Um diese
zu unterstützen, wären die früheren Begebenheiten entweder ganz
und willkürlich erfunden, oder die alten bis dahin nur mündlich
vorhanden gewesenen Ueberlieferungen vielfach verfälscht und mit
Mährchen durchwebt niedergeschrieben worden. Man muß den reli¬
giösen Inhalt des alten Testamentes von dem geschichtlichen unter¬
scheiden. Die jüdische Religion, wie sie von Geschlecht zu Geschlecht
überliefert und in der heiligen Schrift aufgezeichnet worden ist, er¬
scheint als eine höhere Offenbarung des göttlichen Geistes, welche
sich nicht für ein Ergebniß der natürlichen Geistesentwickelung bei
dem israelitischen Volke erklären läßt. Dagegen kann der geschicht¬
liche Inhalt des alten Testamentes nicht denselben Anspruch von
Untrüglichkeit machen; denn die Offenbarung war nicht dazu be¬
stimmt, frühere Begebenheiten zu enthüllen oder ihre Kunde zu
erhalten.