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dieses Buch ist durch mein eigenes Bedürfniß hervorgerufen
worden. Seit einer Reihe von Jahren wünschte ich, meinem Un¬
terrichte in der allgemeinen Geschichte ein Lehrbuch zu Grunde zu
legen: allein keines der vorhandenen entsprach meinen Anforderun¬
gen. Man halte das nicht für Anmaßung oder Unbescheidenheit.
Nein, es werden noch viele Lehrbücher der allgemeinen Geschichte
geschrieben werden müssen, ehe der Lehrstoff und die Methode auf
diesem Gebiete sich so feststellt, daß die Erscheinung eines neuen
Lehrbuches für überflüssig erklärt werden kann. Es wird das viel¬
leicht nie, ja hoffentlich nie geschehen. Der Grund davon liegt in
der Wissenschaft selbst, in ihrem außerordentlich großen Umfange
und in der dadurch bedingten Subjektivität bei der Auswahl des
Lehrstoffes und bei der Methode der Behandlung. Um zunächst von
dem Lehrstoffe zu sprechen, so schienen mir die vorhandenen Lehr¬
bücher theils zu wenig, theils zu viel zu enthalten. Zu wenig ent¬
halten sie, weil sie vorzugsweise die politische Geschichte, die Kul¬
turgeschichte aber entweder gar nicht, oder nur ganz kurz und ne¬
benbei behandeln; zu reich aber ist der Inhalt in der Aufzählung
einzelner Begebenheiten der politischen und der Kriegsgeschichte. Da¬
mit hängt dann die skizzenhafte, tabellenarlige Behandlung zusammen.
Die allgemeine Geschichte zeigt uns den Entwickelungsgang der
menschlichen Bildung von den ältesten Zeiten, soweit unsere Kennt¬
niß reicht, bis zur Gegenwart. Die Kultur insofern sie in den
Zuständen und Begebenheiten der Völker zur Erscheinung kömmt,
bildet den Inhalt der allgemeinen Geschichte oder wie man sie
auch zu nennen pflegt, der Weltgeschichte. Die allgemeine Ge¬
schichte vom Standpunkte der Kultur unterscheidet sich aber von