Full text: Geschichte des Alterthums (Theil 1)

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Im Einklänge mit dem im chinesischen Volke überhaupt herr¬ 
schenden Geiste wird der Gehorsam gegen die Eltern und den Staat 
als eine der höchsten Tugenden anerkannt und daher den großen 
Männern der Vorzeit Verehrung erwiesen. Die Religion des Kon¬ 
fucius ist die der meisten Gebildeten. Die zweite in China herr¬ 
schende Religion ist die von Lao-tse oder Lao-kiün, einem älteren 
Zeitgenossen des Konfucius, gestiftete, deren Bekenner sich Tao-tse 
nennen. Sie ist aus einer uralten, in Ostasien einheimischen Welt¬ 
ansicht entstanden. Die Vernunft (Tao) ist der Urgrund aller Dinge, 
und die Seelen sind nur Ausflüsse (Emanationen) des göttlichen We¬ 
sens. Die von Sünden rein gebliebene Seele kehrt nach dem Tode 
des Menschen in das göttliche Wesen zurück, während die entartete 
aA einen andern Körper gebunden wird (Seelenwanderung). Das 
höchste Gut ist der durch Geringschätzung des Aeußern und durch 
Unterdrückung der Begierden gewonnene Seelenfrieden. Jetzt ist 
diese Religion ein Gemisch von Glauben an Zaubereien und von 
den wunderlichsten Bestrebungen geworden. Viele Anhänger dieser 
Religion leben in Einöden, um Umgang mit den Feen zu haben; 
andere machen Gold, und noch andere bereiten einen Trank der Un¬ 
sterblichkeit. Am allgemeinsten verbreitet ist die in Indien entstan¬ 
dene Religion des Buddha, welchen die Chinesen Fo nennen. Sie 
hat sich vermischt mit altchinesischen und konfucischen Lehren, ist 
zu einem Götzendienst herabgesunken und ist die Religion des Kaisers 
und des Pöbels. Statt einer Sittenlehre hat diese Religion nur 
abergläubische Gebräuche und predigt Gehorsam gegen die Priester, 
welche Bonzen heißen. Eine Menge Priester, Mönche und Nonnen, 
welche angeblich mit den Göttern in der nächsten Berührung stehen, 
leben auf Kosten des Volkes in träger Ruhe. 
Geduldet sind in China außerdem Muhamedaner,,Juden und 
Christen; die letzteren werden jedoch öfters verfolgt und ihnen sind 
seit 1815 die Kirchen geschlossen worden. 
Inder. 
Das Land. Südlich von der gewaltigen Bergkette des Himalaja breitet sich 
Vorderindien aus. Es wird im Süden vom Meere, im Norden 
vom Himalaja, im Westen und Osten von Bergketten begrenzt, 
welche im Westen den schmalen niedrigen Ufersaum des Indus über¬ 
ragen, im Osten sich hinter dem Ufer des Brahmaputra erheben. 
Indien liegt zwischen dem 34|0 und 6° n. B. und zwischen den 
860 unb 1140 östlicher Länge; der Süden desselben gehört der tro¬ 
pischen, der Norden der subtropischen Zone. Indien hat ohngefähr 
die Gestalt eines Trapeziums. Eine von der Mündung des Indus
	        
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