Full text: Geschichte der neueren und neuesten Zeit (Theil 3)

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Franz, der Gemahl der Maria Theresia, wurde zu Frankfurt zum 
Kaiser gewählt und gekrönt (1745). Der Krieg wurde nun noch in 
Italien und den Niederlanden geführt. Die Franzosen eroberten nach 
den Siegen bei Fontenai (1745) und Raucour die östreichschen Nie¬ 
derlande bis auf Luxemburg und Lüneburg. Die Erschöpfung der Mächte 
machte sie zum Frieden geneigt und dieser wurde im Oktober 1748 zu 
Aachen geschlossen und endigte den östreichischen Erbfolgekrieg 
(1740-—1748). Alle Eroberungen wurden gegenseitig herausgegeben, bis 
auf Parma, Piacenza und Guastalla, welches Oestreich an den 
spanischen Prinzen Philipp abtrat, und bis auf ein Stück des 
mailändischen Gebiets, welches der König von Sardinien erhielt. Der 
Frieden zu Aachen endigte auch einen Seekrieg, welcher seit 1739 zwischen 
England und Spanien geführt worden war. Seit 1744 hatte auch 
Frankreich gegen England an demselben Theil genommen. 
Veranlassung Nach dem Frieden von Aachen war die ganze Sorgfalt von Ma- 
desflcbenjäh- ria Theresia darauf gerichtet, die Wunden, welche der Krieg ihrem 
rigcnKneges. Londe geschlagen hatte, zu heilen. Den meisten Einfluß auf sie übte 
Anton Wenzel Graf (später Fürst) von Kaunitz. Dieser betrachtete 
es als die Aufgabe seines Lebens, an Preußen Oestreich zu rächen, für 
welches die Abtretung Schlesiens eine bittere Demüthigung und ein 
schwerer Verlust war. Darin stimmte mit Kaunitz Maria Theresia über¬ 
ein, die keinen Schlesier sah, ohne daß ihr Thränen in die Augen 
traten. Die durch Spottreden Friedrichs II. erbitterte Elisa bet 
von Rußland betrachtete mit Eifersucht das kühne Emporstreben 
des Nachbars, und der prachtliebende Graf Brühl, welcher statt deß 
Kurfürsten August das unter einem prunkenden Hofe verarmte Sach¬ 
sen despotisch regierte, war von Oestreich erkauft und von persönlicher 
Rachsucht gegen Friedrich erfüllt, weil dieser nur verächtlich von ihm zu 
sprechen pflegte. Rußland und Sachsen genügten aber Kaunitz als 
Bundesgenoffen nicht, er suchte auch Frankreich für die Vereinigung 
gegen Friedrich II. zu gewinnen. 
Friedrich II. erkannte die ihm drohende Gefahr. Durch seinen 
Gesandten am sächsischen Hofe und durch einen bestochenen sächsischen 
Kanzlisten erhielt er Kenntniß von Brühls Unterhandlungen mit den bei¬ 
den Kaiserhöfen. Durch die beiden schlesischen Kriege war Preußen in 
die Reihe der europäischen Großmächte eingetreten; aber sein Einfluß be¬ 
ruhte auf der Persönlichkeit des Königs, dem es leichter geworden war, 
Bewunderung als Liebe zu erwecken. Friedrich II. wußte, daß ihm 
keine europäische Macht als zuverlässige Stütze zur Seite stand, und 
daß er nur in sich die Bürgschaft für die Erhaltung seiner Stellung fin¬ 
den konnte. 
Wegen Grenzstreitigkeiten auf dem Festlande des nördlichen Amerika 
kam 1755 ein Seekrieg zwischen Frankreich und England 
zum Ausbruch und drohte, da Hannover den Franzosen einen Gegen¬ 
stand deß Angriffs darbot, sich auf das feste Land zu verbreiten. Georg II. 
wandte sich mit der Forderung an Oestreich, in Gemäßheit früherer 
Verträge ein Heer in den Niederlanden und ein zweites zum Schutze 
Hannovers aufzustellen. Vorsichtig wich Kaunitz diesem Verlangen aus, 
und Georg II. schloß (am 16. Jan. 1756) zu Westminster ein
	        
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