3. Das Weichselthal und das Muͤndungsland der Weichsel.
den Sand nach dem Strande zu führen. Es sind dadurch zuerst
Sandbänke entstanden, die allmählich zu langen, schmalen Landzungen
anwachsen, welche den Namen Nehrungen führen. Zwischen ihnen
und dem urspruͤnglichen Meeresgestade breiten sich die Haffe aus.
Es sind Strandseeen mit süßem Wasser, welche an einer Stelle mit
der salzhaltigen Meeresflut in Verbindung stehen.
Die Rehrungen zeigen uns auf welle Sirecken hin die Ode und
Einförmigkeit einer Wüste. Fruchtbare Felder und Wiesen sind
durch wandernde Dünen überschüttet und ganze Döorfer verweht
worden. Die Flecken, auf denen wir jetzt die wenigen Ortschaften
finden, sind die Oasen in den Sandwüsten unserer Nehrungen. —
Um den Sand der Dünen zu befestigen und das Land vor weiterer
Versandung zu schützen, pflanzt man den Sandhalm und Sandhafer
darauf. Diese Gräser fangen den Flugsand mit den Blättern auf und
schützen dann die hinter ihnen liegende Oberfläche der Düne vor dem
Angriffe des Windes. Auch geben sie vermöge ihrer feinen, vielver—
zweigten und tiefgehenden Wurzeln der Sandmasse einen innern Zu—
sammenhang. Alle diese Eigenschaften sind vorzugsweise vereinigt bei
dem Sandhalm, der sich fast 1Im über dem Boden erhebt. Im
Winter verliert diese Grasart weder Halm noch Blätter, so daß sie
hierdurch auch in der Zeit der stärksten Stürme schützend wirkt. Dabel
wird sie durch Sandüberschüttungen nicht getötet, treibt vielmehr desto
kräͤftigere Schößlinge. Sind die Dünen etwas befestigt, so pflanzt man
Weiden, Birken, Kiefern, Erlen und Pappeln darauf.
8. Danzig und seine Umgegend. In lieblicher Gegend
am linken Weichselufer, unweit der Mündung liegt die alte, ehrwürdige
Stadt Danzig. Weithin sind die vielen Türme, mit denen die
Kirchen geschmückt sind, sichtbar. Die Martenkirche, die größte der
ganzen Provinz, bewahrt zwei große Kunstschätze: das „jüngste Gericht“,
ein sehr umfang- und figurenreiches Gemälde, und ein mit bewunderns—
werter Feinheit geschnitztes Kruzifir. Vorzeiten war Danzig Hanse—
stadt und bildete einen Freistaat. Nächst Lübeck und Nürnberg ist sie
die einzige größere deutsche Stadt, welche die mittelalterliche Bauart
der Häuser bewahrt hat. Schmale, dreifensterige Giebelhäuser mit
Verzierungen, Vorbauten und Beischläge, schmale Straßen, Mangel
an freien Plätzen: das ist dem alten Danzig eigentümlich. Die neueren
Bauten: Bahnhöfe, Gasanstalt, Kasernen, Fabriken, Schulhäuser haben
sein altes Bild wenig geändert. Die schönste Straße ist die Lang—
gasse; an dem einen Ende derselben erhebt sich das schlanke, zierliche
Rathaus mit einem hohen, schmuckvollen Turme. Ganz in seiner
Nähe liegt der „Artushof“. Hier hielten einst die Bürger ihre
Versammlungen; jetzt dient er als Börse für die Kaufleute und
Handelsherren. Die Stadt zählt über 100 000 Einwohner und ist
eine bedeutende See-Handelsstadt und eine der größten Festungen des
Staates. Um die grünen Wallgräben ziehen sich Vorstädte zwischen
Gärten und Alleeen hin. Die Mottlau und die Radaune durch—