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ihr nicht von der Seite ging und sogat des Nachts in
ihrer Stube schlief.
Eines Abends hatte Mathilde sich fruͤh zu Bette
gelegt und war schon halb eingeschlummert, als der
kleine Hund anfing zu bellen, zu ihr auf's Bett sprang
und sie bei der Hand packte, als wollte er, daß sie
aufstehen sollte. Mathilde sprang erschrocken aus dem
Bette, denn sie dachte, der Hund waͤre toll geworden,
So schnell sie konnte lief sie daher aus dem Zimmer
und rief einige Dienstboten, welche mit ihr in's Zimmer
zuruͤckkehrten. Der kleine Hund stand noch immer vor
dem Bette und bellte und winselte so entsetzlich, als
sollte et zum zweitenmal in's Wasser geworfen werden.
Man leuchtete jetzt unter das Bett und sah einen lan⸗
gen grimmigen Kerl unter demselben liegen, der Ma—
thilde hatte bestehlen oder wohl gar umbringen wollen,
denn er hielt ein großes blankes Messer in der Hand,
womit er sich jetzt vertheidigen wollte. Die Bedienten
baten ihn aber, seinen unbequemen Plaß unter dem
Bette mit einem bequemeren auf der Hauptwache zu
vertauschen, packten ihn beim Kragen, entwandten ihm,
ehe sie ihn herauszogen, das große Messer und uͤberlie—
ferten ihn den herbelgerufenen Nachtwaͤchtern, welche
ihn nach der Wache fuͤhrten, wo er Zeit genug haͤtte,
uͤber sein boshaftes Vorhaben nachzudenken. Mathilde
aber erkannte daß sie ihre Rettung dem haͤßlichen Hunde
zu danken habe, den sie einst aus den Haͤnden der grau⸗
samen Straßenjungen gerettet hatte.
Gutes thun ist Deine Pflicht,
Unvergolten bleibt es nicht.
53. Ein