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56 Hermann.
GSiehe die Kupfertafel: der Teutsche.)
Die alten Teutschen lebten in den Waͤldern, trie⸗
ben die Jagd und den Fischfang, und waren fast alle
sehr große und starke Leute. Sie waren an Muͤhselig⸗
keiten gewoͤhnt und achteten die rauhe Witterung nicht,
es gab manche, die seit vielen Jahren in kein Haus
gekommen waren, sondern sogar des Nachts unter
freiem Himmel schliefen; den Krieg liebten sie uͤber Al⸗
les und ließen's sich nicht einfallen, vor boͤsen Leuten,
die ihnen etwas thun wollten, bange zu seyn.
Die Roͤmer, ein maͤchtiges, aber auch ein sehr
stolzes und lasterhaftes Volk, welche damals uͤber die
halbe Welt zu befehlen hatten, waren auch nach Teutsch⸗
land gekommen, um unsere Vorfahren, die guten Teut⸗
schen aus ihren Wohnsitzen zu vertreiben. Wirklich
hatten sie auch schon einen großen Theil unsers lieben
Vaterlandes erobert, behandelten die Einwohner grau⸗
sam und uͤbermuͤthig, und lebten dabei so lasterhaft und
sitlenlos, daß die Teutschen, und besonders die Kinder
derselben, gewiß ein schlechtes Beispiel genommen haͤtten
und auch so lasterhaft geworden waͤren, wenn es noch
lange so fortgedauert haͤtte.
Da versammelte Hermann, ein teutscher Held, seine
Qandsleute und uͤberredete sie, die stolzen Roͤmer, die
kein Recht hatten in ihrem Lande zu wohnen wieder
fortzujagen. Sie lockten daher die roͤmischen Soldaten
durch mancherlei List in einen Wald, und als sie mit—
ten darin waren, fiel Hermann mit seinen braven
Teutschen von allen Seiten uͤber sie her. Da es lange
gereg⸗