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Es blüht ein schönes Blümchen auf unsrer grünen Au'!
Sein Aug' ist wie der Himmel so heiter und so blau.
2. Stengel und Blätter. Der Stengel ist meist behaart, ästig, aufrecht oder
aufsteigend. Abgeschnitten und ins Wasser oder in feuchten Sand gestellt, saugt er
leicht die Feuchtigkeit ein und erhält sich so mit Blättern und Blüten noch längere
Zert frisch. Deshalb erhalten sich Vergißmeinnichtkränze in einem Gesäß mit Wasser
längere Zeit blühend. Die Blätter sind ungestielt und ganzrandig. Ihre Färbung
ist eigentlich ein frisches Grün, erscheint aber dem Auge wegen der kurzen Haare
graugrünlich.
3. Blüte und Frucht. In der Blüte tritt uns mehrfach die Fünfzahl entgegen.
Der Kelch ist fünfzähnig; die himmelblaue, unten röhrenförmige Blumenkrone bildet
oben ein Tellerchen mit sünslappigem Saume. Die fünf Staubblätter werden durch
fünf kahle, gelbe Höckerchen („Klappen") verdeckt, welche den Schlund verengen. Im
Grunde des Kelches finden wir vier glatte Nüßchen, zwischen denen sich ein faden¬
förmiger Griffel erhebt. Diese Nüßchen sind die Teile eines tief vierspaltigen Frucht¬
knotens. Zur Zeit der Reife entwickelt sich aus ihnen eine vierspaltige Frucht, welche
aber nicht aufspringt, um sich der von ihr eingeschlossenen Samen zu entledigen,
sondern in vier glänzend schwarze Teile („Nüßchen") zerfällt, deren jeder sein eigenes
Samenkorn eng umschlossen hält. Man nennt solche in einzelne Teile zerfallenden
Früchte „Spaltfrüchte" und die einzelnen Teile derselben „Teilfrüchte".
4. Der Blütenstand des V. bildet eine Art Traube; denn die Blüten sitzen an
ziemlich gleich langen, unverzweigten Stielchen und diese wiederum in verschiedener
Höhe an einem gemeinschaftlichen Blütenstiele. Die unteren Knospen brechen zuerst
auf, da sie sich eher entwickelt haben als die oberen. Letztere biegen sich vor ihrem
Aufblühen mit der Spitze des gemeinschaftlichen Blütenstiels nach der Erde zu,
während die bereits entwickelten Blüten aufrecht stehen. Meistens ist der gemein¬
schaftliche Blütenstiel mit den Knospen vor ihrem Aufblühen sogar schneckenartig zu¬
sammengerollt. Je weiter aber die Knospen von unten nach oben hin erblühen, desto
mehr wickelt sich die Traube auf. (Wickeltraube.)
5. Farbenwechsel. Die Knospen des V. haben eine rötliche Färbung; je mehr
sie sich entwickeln und die Sonne auf sie einwirken kann, desto mehr ändert sich die
Farbe. Aufgeblüht zeigen sie meist keine Spur mehr von Rot, sondern prangen im
lieblichsten Blau. Solchen Farbenwechsel finden wir auch beim Lungenkraut, Krumm¬
hals, Natternkopf re. Bei manchen Pflanzen ist der Boden die Ursache des Farben¬
wechsels. So lassen sich z. B. rote Hortensien durch eisenhaltige Erde in blaue ver¬
wandeln, und Gänseblümchen, welche in humusreiche Gartenerde verpflanzt werden,
mhmen eine viel rötlichere Färbung an.
50. Die (melrvurzelige) Wasserlinse.
1. Bau. Nehmen wir eine Handvoll Wasserlinsen (Entenflott) aus dem grünen
Teppich des Teiches heraus, so sehen wir, daß sich dieser Teppich aus unzählig vielen
Pflänzchen zusammensetzt. Der Bau der einzelnen Pflänzchen ist sehr einfach. An
jeder Wasserlinse sehen wir 1—5 blattartige Gebilde, die fast alle auf der rötlich ge¬
färbten Unterseite eine Anzahl Würzelchen von 2—3 cm Länge tragen. Diese
Wurzeln können ihrer Kürze wegen den Grund des Teiches nicht erreichen; sie schweben
daher frei im Wasser. (Woher können sie also auch ihre Nahrung nicht nehmen?)
Legen wir einige Teichlinsen so auf ein (in einem Glase schwimmendes) Stückchen
Kork, daß ihre Wurzeln ins Wasser hinabreichen, ihre Blätter aber nicht unmittelbar
auf dem Wasser schwimmen, so vertrocknen sie alsbald. Es ist also die Wurzel allein
nicht imstande, die Pflanze mit Nahrungsstoff zu versorgen, sondern auch die Blätter
saugeuZund zwar mit der Unterseite) die Nahrung aus dem Wasser auf.