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der Einwohner war durch das Schwert, durch Not und Krankheiten
zu gründe gegangen. Städte und Dörfer waren verschwunden; an
Stelle wogender Kornfelder fand man wüstes, mit Bäumen und
Strauchwerk bedecktes Land, aus dem Wölfe und andere Raubtiere
hausten. Die Wiesen waren zu Morästen geworden, die Städte ver¬
armt und menschenleer. Überall im Lande trieben sich Tausende
von Vagabunden, entlassenen Soldaten und verwilderten Bauern um¬
her. Das ganze Land glich einer Wüste, und meilenweit konnte
man wandern, ohne ein menschliches Wesen anzutreffen. Es fehlte
an Geld und Arbeitskräften, die Felder zu bestellen und die Häuser
wieder aufzubauen. Handel und Gewerbe lagen darnieder. An Stelle
von Bildung und Sittlichkeit traten Roheit und Gleichgültigkeit. Im
Schulwesen sah es traurig aus; es fehlte an Geistlichen und Lehrern.
Der Aberglaube nahm überhand, und die Hexenverfolgungen ver¬
schonten kein Alter, keinen Stand, kein Geschlecht. Unter den Qual'en
der Folter bekannten sich die Angeklagten der Zauberei schuldig und
erlitten den Feuertod. —- Das Reich war ein lockerer Staatenbund
geworden, in dem jeder Fürst seine eigenen Wege ging und sich
ein eigenes Heer zu schaffen suchte. Das Nationalgefühl der Deutschen
ging verloren, und so mußte Deutschland ein Spielball auswärtiger
Mächte werden.
Die Areuzzüge.
Tie Ursachen. Schon in den ersten Zeiten des Christentums
zeigte mancher Christ das Verlangen, die heiligen Orte zu besuchen,
wo Christus gelebt, gelehrt und gelitten hatte. Viele von diesen
Wallfahrern glaubten, durch Gebete am heiligen Orte Befreiung von
ihren Sünden zu erlangen. So lange die Araber im Besitz der heiligen
Stätten waren, konnten die christlichen Pilger ungehindert ihre An¬
dacht verrichten. Als aber die Türken Palästina eroberten, wurden
die Pilger hart bedrängt. Viele mußten vor den Toren der heiligen
Stadt umkehren, weil sie die für den Eintritt geforderten hohen Ab¬
gaben nicht zahlen konnten. Die Christuskirche in Jerusalem war
in ein türkisches Gotteshaus (Moschee) verwandelt worden. Die
dort lebenden Christen hatten viel unter den Mißhandlungen und
Plünderungen der Türken zu leiden.
Ter erste Kreuzzug. Immer lauter wurden diese Klagen.
Da rief der Pacht Urban II. auf der Kirchenversammlung zu Clermont
die christlichen Völker zu einem gemeinsamen Kampfe gegen die Un¬
gläubigen und zur Befreiung des heiligen Grabes auf. Tausende
gelobten, zum heiligen Kampfe auszuziehen. Als Zeichen ihres Ge¬
lübdes hefteten sie ein kleines rotes Kreuz auf die rechte Schulter.
Deshalb bekamen sie den Namen Kreuzfahrer. Viele wurden durch
die begeisterten Predigten des frommen Pilgers Peter von Amiens
gewonnen. Dieser hatte mit eigenen Augen die traurige Lage der
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