413
schauend und sinnend, stundenlang am Ufer des Meeres und
ging schon mit seinem vierzehnten Jahre zu Schiffe. Aber acht¬
zehn Jahre hat er als Mann, der in seltenem Grade mit dem
Thatendurst auch Thatkraft vereinte, warten müssen, ehe
ihm die Mittel wurden, seine grossartigen Pläne zur Ausfüh¬
rung zu bringen. Er wandte sich an seine Vaterstadt Genua,
er wandte sich an das ebenso reiche Venedig; aber beide
Kaufmannsstädte liessen ihn im Stich, da sie seine grossen
Pläne nicht zu fassen vermochten. Als Plänemacher ab¬
gewiesen, ging er nach Portugal. Hier wusste man ihm die
Einsicht in seinen Plan abzulocken; er sollte um die Frucht
so vieljähriger und mühevoller Forschungen betrogen werden,
die man ihm als Ausländer nicht gönnte. Ein anderer wurde
ausgeschickt, der aber bald wieder zurückkehrte, ohne das ge¬
hoffte Land entdeckt zu haben. Voll bittern Verdrusses ver¬
liess Kolumbus Portugal und wandte sich nach Spanien. Sein
ganzes Vermögen hatte er schon für Reisen, für das An¬
schaffen von Instrumenten und Karten zugesetzt. Arm, als
Bettler, kam er nach Spanien, und der Mann, der eine ganze
Welt in sich trug und zu geben hatte, bat in einem Kloster
für sich und seinen Sohn um ein Stück Brot und einen
Trunk Wasser. Der Prior des Klosters, erstaunt über die
Kenntnisse des Bettlers, empfahl ihn bei Hofe. Die edle
Königin Isabella wies ihn nicht ab. Aber die spanischen Ge¬
lehrten, denen der Plan des Kolumbus vorgelegt wurde, ent¬
schieden, nachdem sie vier Jahre Rat gehalten hatten, dais das
ganze Unternehmen jedes sichern Grundes entbehre und un¬
ausführbar sei. Schon war der unerschütterliche Kolumbus im
Begriff, sich nach Frankreich zu wenden, als Isabella dies er¬
fuhr. Sofort sandte sie ihm einen Eilboten nach, der ihn auch
zwei Stunden hinter Granada einholte. Sie war entschlossen,
das nötige Geld zu schaffen, sollte sie auch ihre Juwelen ver¬
pfänden müssen. Eine Frau also war es, begabt mit einer
grossen Seele und vorzüglichem Scharfsinne, die den Kolum¬
bus verstand. Nicht leicht aber hat ein Mann mit so festem
Mute bis ans Ende ausgeharrt wie dieser. Hatte er schon
vor der Fahrt mit so unsäglichen Hindernissen zu kämpfen,
so folgten dieselben bei der Fahrt selbst wie eine Kette wei¬
ter. Der Hafen von Palos ward zum Ausrüsten der Schiffe
bestimmt, aber niemand zeigte sich anfangs bereit, Schiffe
zur Verfügung zu stellen oder an der Fahrt teilzunehmen.
Als sich endlich 120 Leute zur Teilnahme an der Unter¬
nehmung erboten, verbreitete sich über das ganze Städtchen