leiden. Als die Feinde den letzten Thaler von ihnen erpreßt hatten, kam ein
schwedischer Rittmeister und trieb ihnen noch das gesamte Vieh von der Weide
weg (1640). Das ganze Land verarmte, und es entstand eine furchtbare Hun—
gersnot. Das Fleisch der Katzen und Wölfe wurde ein Leckerbissen. Dazu wütete
die Pest. Es gab Gegenden, z. B. im Havellande, wo die Dörfer meilenweit
leer standen und verwüstet dalagen. Berlin hatte statt 12000 nur noch 6000 Be—
wohner. — In dieser schrecklichen Zeit leuchtete den Brandenburgern nur ein
Hoffnungsstern. Es war der junge Kurfürst Friedrich Wilhelm.
2. Jugend. Friedrich Wilhelm wurde zu Anfang des 30 jährigen Krieges
geboren. Wegen der Kriegsunruhen wurde er, 14 Jahre alt, nach Holland
geschickt, um dort die Kriegskunst zu erlernen. Als man ihn im Haag zu einem
ausschweifenden Leben verführen wollte, sagte er: „Ich bin es meinen Eltern,
meiner Ehre und meinem Lande schuldig, Haag sogleich zu verlassen.“ Sofort begab
er sich zu seinem Vetter, dem Prinzen von Oranien, der im Felde stand. Dieser freute
sich über den Jüngling und sprach: „Vetter, Eure Flucht beweist viel Heldenmut.
Wer sich schon so früh selbst zu besiegen weiß, dem wird das Große stets gelingen.“
3. Rettung seines Landes vor völligem Untergange. a. Waffenstillstand.
Als Friedrich Wilhelm die Regierung übernahm, war er fast machtlos in seinem
Lande. Immer noch lagen die Schweden darin. Um seinem Lande die Kriegslasten
zu erleichtern, schloß er einen Waffenstillstand mit den Schweden. Doch behielten sie
Pommern, das durch Erbschaft an Brandenburg gefallen war, in Besitz.
b. Bildung eines stehenden Heeres. Die wichtigste That des Kurfürsten war,
daß er sich ein eignes Heer schuf. Die Offiziere in seinen Festungen hatten nämlich
nicht ihm, sondern dem Kaiser den Eid der Treue geschworen. Einige verweigerten
ihm geradezu den Gehorsam. Das mußte anders werden, wollte er Herr im Lande
sein. Er forderte deshalb, daß sich die Offiziere ihm durch einen Eid verpflichten
sollten. Das that jedoch nur der Kommandant von Küstrin. Die übrigen Offiziere
verweigerten ihm den Eid. Da entließ sie der Kurfürst, löste ihre Regimenter
größtenteils auf und ließ fortan die Truppen in seinem Namen anwerben. Bis
dahin waren die Söldner (S. 12) immer für die Zeit des Krieges geworben worden.
Der Kurfürst aber bildete sich ein Heer, das aus Landesangehörigen zusammen—
gesetzt und auf Lebenszeit geworben war. So wurde er der Gründer des ersten
stehenden Heeres in Deutschland. Anfänglich betrug sein Heer nur 3000 Mann,
später 30000.
c. Zuwachs an Land und Macht. Bei den Friedensverhandlungen zu Münster
und Osnabrück machte der Kurfürst besonders seine Rechte auf Pommern geltend.
Sein Heer verschaffte auch seinen Worten Nachdruck. Doch konnte er es nicht ver—
hindern, daß die Schweden Vorpommern erhielten, dafür wurden ihm aber wertvolle
Entschädigungen zugewiesen: die Bistümer Halberstadt und Minden und das
Erzstift Magdeburg. — Mit Hilfe seines Heeres besiegte er auch 1656 im
Bunde mit den Schweden die Polen und machte dadurch das Herzogtum Preußen
von der polnischen Lehnshoheit frei.
4. Als Landesvater. a. Landwirtschaft. Bei all den Kriegsunruhen vergaß
der große Kurfürst nicht, immerdar aufs treuste für das Wohl seines Landes und
Volkes zu sorgen. In jeder Weise suchte er dem verwüsteten Lande aufzuhelfen.
Dem Landmanne verschaffte er Vieh und Saatkorn. In die entvölkerten Gegenden
zog er Ansiedler aus Holland und der Schweiz, die den sandigen und sumpfigen
Boden der Mark in fruchtbare Felder und Gärten umwandelten. Von jedem
Bauer verlangte er, daß er bei seinem Hause einen Garten anlegte, und keiner
sollte heiraten, wenn er vorher nicht wenigstens 6 Obstbäume gepfropft und eben—
soviel Eichbäume gepflanzt hätte.