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Sechse und einer. — Vertrauen. — Sprüche.
228. Sechie und einer.
(Es kommen sechs ernsthafte Leut',
gehn schlicht und rauh im Nrbeitskleid.
Die lassen dich nicht müßig ruhn;
ein jeder bringt dir was zu tun.
Ein Ziebenter kommt hinter ihnen
mit leichtem Zchritt und lust'gen Mienen.
Mit den sechs ernsthaften Gesellen
tust wohl du, dich recht gut zu stellen.
Dann wird, wenn du dich brav benommen,
der siebente so fröhlich kommen,
daß du die sechs mit ihrer Last
um seinetwillen auch gerne hast. J°h. Trojan.
229. Vertrauen.
1. Ein Vogel baut sein kleines Haus
auf höchstem Zweig der Linde.
Gefährlich sieht 's mitunter aus,
Es schwankt das Nest im Winde.
230. Vielleicht ist
1. vielleicht ist es der letzte Tag,
zu dem du heut' erwacht.
Drum nimm noch jeden Ltunden-
schlag
der flücht'gen Zeit in acht!
2. vielleicht ist es die letzte Pflicht,
die deine Hand noch tut.
Drum flink ans Werk und säume
nicht!
Gut End' macht alles gut.
3. vielleicht die letzte Kreuzeslast
liegt heut' auf deiner Bahn.
Drum frisch noch einmal angefaßt;
bald bricht der Zabbat an!
2. Der Vogel hat ein gut vertraun,
läßt froh sein Lied erschallen;
der ihm dort riet sein Nest zu baun,
läßt auch das Nest nicht fallen.
Joh. Trojan.
es der letzte Uag.
4. vielleicht der letzte Freuden¬
trank
ist heute dir beschert.
Greif herzhaft zu und nimm mit Dank,
was Gott dir Gut's gewährt!
5. vielleicht ist es das letzte Wort,
das heut' dein Mund noch sprach.
Mach 's freundlich! Wenn du lange
fort,
so klmgt's noch lieblich nach.
6. vielleicht ist es der letzte Tag,
zu dem du heut erwacht.
Drum nimm noch jeden Ztundenschlag
Der flücht'gen Zeit in acht!
Karl Äerok.
231. Sprüche.
1. Wenn Eltern Kinder wohl er¬
ziehn
und ihnen guten Namen lassen,
so ist 's genug, so ist es mehr,
als Gold und Geld in Kasten fassen.
2. Willst du klug durchs Leben
wandern,
prüfe andre, doch auch dich!
Jeder täuscht gar gern den andern,
doch am liebsten jeder sich.
Friedr. v. Bodenstedt.