Aus betn „Lieb von ber Glocke".
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weilet, weilet
freundlich über dieser Stabt!
Möge nie der Tag erscheinen,
wo des rauhen Krieges Horden
dieses stille Tal durchtoben,
wo der Himmel,
den des Nbends sanfte Röte
lieblich malt,
von der Dörfer, von der Stabte
wildem Brande schrecklich strahlt!
II.
herein! herein!
Gesellen alle, schließt den Ueihn,
daß wir die Glocke taufend weihn!
Konkordia soll ihr Name sein.
Zur Eintracht, zu herzinnigem Vereine
versammle sie die liebende Gemeine!
Und dies sei fortan ihr Beruf,
wozu der Meister sie erschuf:
hoch überm niedern Erdenleben
soll sie im blauen Himmelszelt,
die Nachbarin des Donners, schweben
und grenzen an die Sternenwelt;
soll eine Stimme sein von oben,
wie der Gestirne Helle Schar,
die ihren Schöpfer wandelnd loben
und führen das bekränzte Jahr.
Nur ewigen und ernsten Dingen
sei ihr metallner Mund geweiht,
und stündlich mit den schnellen
Schwingen
berühr' im Fluge sie die Zeit!
Dem Schicksal leihe sie die Zunge,-
selbst herzlos, ohne Mitgefühl,
begleite sie mit ihrem Schwünge
des Lebens wechselvolles Spiel.
Und wie der Klang im Ghr vergehet,
der mächtig tönend ihr entschallt,
so lehre sie, daß nichts bestehet,
daß alles Irdische verhallt!
Friedr. v. Schiller.