Eman. Geibel.
7. Die Welt ist reich und wohl beraten;
nur zäume nicht das Pferd am Schwanz!
Wolle die Nachtigall nicht braten
und nicht singen lehren die Gans!
8. Wenn wir zusammen all wären reich,
und einer wär’ dem andern gleich,
und ivären all zu Tisch gesessen,
wer wollte auftragen uns das Essen ?
9. Schiele dich in die Welt hinein;
denn dein Kopf ist viel zu Mein,
dass sich schicke die Welt hinein!
10. Geniefse, ivas dir Gott beschiedcn,
entbehre gern, was du nicht hast!
Ein jeder Stand hat seinen Frieden;
ein jeder Stand hat seine Last.
V. Teil
Aus der Naturkunde.
*183. Aussterb ende Tiere.
1. In grauer Vorzeit haben unsere Erde zahlreiche Tierarten bevölkert,
welche längst ansgestorben sind. Meist gingen sie durch große Erdumwälzungen
zn Grunde. Heutzutage siud einzelne Tiergattnngen, welche dem Menschen
manches wertvolle Rohgut liefern, in ihrem Bestände ernstlich gefährdet, weil
der Mensch ihre Ausbeutung in thörichter Weise übertreibt und nichts zur
Erhaltung der Tiere thut. Auch das Fortschreiten der Kultur trägt öfter
zum Verschwinden einer Tierart bei.
Der amerikanische Büffel ist z. B. in unglaublich kurzer Zeit einem
Vernichtungskriege zum Opfer gefallen, der geradezu beispiellos dasteht. Zu
Anfang des 19. Jahrhunderts bevölkerte diese Tiergattung in ungezählten
Millionen die endlosen Prairien zu beiden Seiten des Mississippi, welche die
Büffel in breiten Massen durchzogen. Sie schwammen über Ströme und
bahnten sich ihren Weg durch Wald und Gras, so daß oft kilometerbreite
Büffelwege die Züge bezeichneten, die sie vor der Winterkülte nach Süden
oder vor der Sommerdürre nach Norden unternahmen.
Ursprünglich hatten sie nur zwei Feinde, den Indianer und den grauen
Bären; aber was diese vernichteten, zählte nicht gegenüber ihrer ungeheuren
Menge. Die durch die zunehmende Einwanderung aus Europa verursachte
Vermehrung menschlicher Wohnstätten beschränkte zwar ihre Weideplätze; aber erst
seit dem Jahre 1830 trieben die weißen Männer die Büffeljagd gewerbsmäßig;