Full text: Deutsches Lesebuch für kaufmännische Fortbildungsschulen und verwandte Anstalten

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294. Ware und Warenkunde. 
auf einem Objektivträger unter das Mikroskop, so erkennt man darin 
sehr zahlreiche Kügelchen von verschiedener Grösse, die in der Flüssig¬ 
keit fein verteilt die weifse Farbe der Milch hervorbringen. Sie be¬ 
stehen aus Fett, sind jedoch keine einfachen Fettröpfchen, sondern 
jedes derselben ist mit einer zarten Hülle von geronnenem Käsestoff 
umgeben. Man erkennt diese Hüllen, wenn man eine kleine Menge 
Milch längere Zeit mit Äther oder Benzin schüttelt, welche das Fett 
ausziehen, so dass die Hüllen leer zurückbleiben, die durch wässerige 
Jodlösung, welche sie gelb färbt, noch deutlicher erscheinen. Diese 
Fettkügelchen steigen beim ruhigen Stehen der Milch wegen ihrer 
Leichtigkeit in die Höhe, sammeln sich oben und bilden durch ihre 
Anhäufung den Rahm. Dieser erscheint daher unter dem Mikroskop 
an solchen Fettkörperchen viel reicher als die abgerahmte Milch und 
eine Milch ist um so besser und fettreicher, je dichtgedrängter die 
Fettkügelchen erscheinen. 
Ein anderes sehr viel gebrauchtes Genufsmittel, der Kaffee, wird 
ebenfalls, namentlich im gebrannten und gemahlenen Zustand, häufig 
verfälscht. Auch dessen Verfälschungen lassen sich durch das Mikro¬ 
skop sehr leicht entdecken. Die Kaffeebohne besteht aus zweierlei 
Geweben, deren feinerer Bau sehr charakteristisch ist: einem äusseren 
Häutchen, das zusammengesetzt ist aus länglichen Zellen mit ver¬ 
dickten Wänden, die eigentümlich meist schief gestellte Tüpfelchen und 
Streifen zeigen, und dem Kerne der Bohne, welcher wie andere ölige 
Samen auf seinen Durchschnitten rundliche Zellen zeigt; dieselben bilden 
eine Ajt Netz, dessen Maschen mit einer bei durchfallendem Lichte 
dunklen Substanz ausgefüllt sind, die zahlreiche, das Licht stark 
brechende Öl- oder Fettropfen einschliefst. In der nicht zu stark ge¬ 
brannten Bohne behalten beide Gewebe ihre charakteristischen Formen, 
nur werden sie etwas dunkler. Jedes Kaffeepulver, welches ausser den 
genannten unter dem Mikroskop noch andere Bestandteile zeigt, ist 
durch anderweitige Zusätze verfälscht. Viele dieser Zusätze, welche 
meist aus den gebrannten und gemahlenen Wurzeln verschiedener 
Pflanzen, Zichorien, Rüben u. s. w., bestehen, lassen sich ihrem 
Ursprung nach leicht erkennen; sie zeigen andere getüpfelte oder 
gestreifte Zellen oder auch Gewebezellen, wie sie im echten Kaffee 
nicht vorkommen. Bereits ein halber Tropfen von dem Reste zu¬ 
bereiteten Kaffees, der am Boden einer Tasse oder Kaffeekanne zurück¬ 
bleibt, genügt, unter das Mikroskop gebracht, um aus dem feinen 
Bodensatz desselben zu erkennen, ob der getrunkene Kaffee rein und 
unverfälscht oder mit Zichorien u. s. w. versetzt war. 
Nach Vogel: »Das Mikroskop«. 
294. Ware und Warenkunde. 
Unter Ware versteht man im weiteren Sinn des Wortes alles, was 
einen Gegenstand des Handels ausmacht, also überhaupt jeden Handelsartikel. 
Demnach sind auch das Geld, die Wechsel, die Staatspapiere, Aktien und 
Prioritäten, wenn sie Sache des Handels (des Ein- und Verkauss) werden, 
Waren im weitesten Sinne des Wortes; im engeren Sinn aber führen den 
Namen Waren nur die im Handel vorkommenden Natur- und Industrie- 
Erzeugnisse.
	        
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